Proberäume: So lautet die stetige, seit Jahren sich wiederholende Forderung der in Österreich schaffenden Künstler, vor allem jener der darstellenden Kunst. Freilich stehen gerade in Wien einige dieser Probemöglichkeiten zur Verfügung, aber die Anzahl der Räumlichkeiten für Recherche und Entwicklung seien weiterhin nicht ausreichend, beschwert sich die Szene. Die Choreografin Linda Samaraweerová und der bildende Künstler und Filmemacher Daniel Zimmermann werden nun mit Eindorf ein neues Off-Space einrichten, das sich außerhalb des institutionellen Markts positioniert: von Künstlern für Künstler sozusagen.

Eröffnet wird Eindorf, das sich in der Reindorfgasse 8 in Wien-Rudolfsheim-Fünfhaus befindet, am 30. November und 1. Dezember mit einem Dorffest, an dem rund 20 Künstler performen werden. Unter ihnen sind, neben Linda Samaraweerová und Daniel Zimmermann, auch Beiträge der weiteren Team-Mitglieder wie der bildenden Künstlerin und Performerin Guadalupe Aldrete, dem Musiker und Konzertorganisator Christof Kurzmann sowie dem Schriftsteller und Berater für Wissenschaft, Kunst und Kultur für die Präsidentschaftskanzlei Meinhard Rauchensteiner und viele mehr.

Alex Franz Zehetbauer wird am 30. November mit seiner Performance "Water And A Microphone" zu sehen sein. - © Martin Hauer / Alex Franz Zehetbauer
Alex Franz Zehetbauer wird am 30. November mit seiner Performance "Water And A Microphone" zu sehen sein. - © Martin Hauer / Alex Franz Zehetbauer

Die Familien des Dorfes

Doch warum nennen die Künstler ein Off-Space gerade Eindorf? "Das ist relativ einfach beantwortet: Wir möchten einen Ort schaffen, der dorfplatzähnlich ist. Also ein Transitort der Begegnung und Vernetzung als Arbeits- und Möglichkeitsraum abseits der institutionellen Produktionsstätten", beantwortet Daniel Zimmerman die Frage im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". "Dadurch, dass wir beide Künstler und keine Kuratoren sind, geht es uns darum, dass diese Location etwas anderes als eine Institution wie etwa ein Theater ist. Wir bleiben Künstler und begegnen uns als Künstler. Deshalb auch die Idee des Dorfs, wo man sich kennt, wo man sich austauscht", sagt dazu Linda Samaraweerová. Die beiden Künstler möchten die Familien des Dorfs - unter Familie verstehen sie die unterschiedlichen Genres wie Bildende Kunst, Film, Musik, Performance und Literatur - zusammenbringen. "Ob Kooperationen entstehen werden, wissen wir freilich noch nicht", meint Zimmermann. Aber man sei sehr flexibel und könne schnell auf neue Projekte reagieren. "Das ist ein großer Vorteil gegenüber Institutionen." Auch thematisch sei man ungebunden: "Nur, weil bei der Biennale ein Thema vorherrscht, müssen wir das nicht übernehmen. Da sind wir frei", sagt Samaraweerová.

Bindhumalini Narayanaswamy ist eine indische Sängerin, Komponistin und Grafikdesignerin, die am 30. November gemeinsam mit Sahabari Rao in der Performance "Singing Body" auf dem Programm des Dorffests steht. - © Bindhumalini Narayanaswamy
Bindhumalini Narayanaswamy ist eine indische Sängerin, Komponistin und Grafikdesignerin, die am 30. November gemeinsam mit Sahabari Rao in der Performance "Singing Body" auf dem Programm des Dorffests steht. - © Bindhumalini Narayanaswamy

Auch budgetär frei? Man würde von der Stadt Wien und vom Bezirk unterstützt, erklärt Zimmermann. Und offensichtlich in einer akzeptablen Höhe, denn es sind bis zu vier Residenzen vorgesehen: "Es gibt die Möglichkeit in diesen Räumlichkeiten zu leben für jene Künstler, die nicht aus der Umgebung kommen."

Keine Kategorisierung

Doch die Location bietet noch einiges mehr: "Es gibt ein Studio, in dem man Stücke entwickeln, Proben abhalten, aber auch Showings zeigen kann. Dafür ist ausreichend Equipment vorhanden", so Samaraweerová. Geeignet sei Eindorf vor allem für Projekte, die experimentell wären. "Und in Eindorf darf man als Künstler scheitern", fügt die Choreografin schmunzelnd hinzu, denn immerhin gehöre dies zur weiteren Entwicklung eines Künstlers. Gerade aufgrund der Pandemie seien im Bereich der darstellenden Kunst zahlreiche Filme entwickelt worden. "Dafür gibt es nicht viele Präsentationsorte. Denn wo kann man als darstellender Künstler einen Film zeigen? Wer gibt einem die Möglichkeit? Eindorf ist dieser Ort für Projekte, die man sich in etablierten Institutionen nicht erlauben darf", so die Künstlerin weiter. Mit den Fragen: Ist es jetzt Tanz oder Film oder bildende Kunst? Wo zeige ich das, wo passt es hin, zu welchen Zusehern?, müssen sich heute Institutionen auseinandersetzen, weiß Samaraweerová aufgrund ihrer Erfahrungen. Dieses Problem hat Eindorf definitiv nicht. Hier muss Kunst nicht kategorisiert werden.