Ein erster Eindruck von Christiane Hörbiger, damals, lange her, im Fernsehen die "Donaugeschichten": Schön, etwas unnahbar, prickelnd kühl, welch eine Ausstrahlung. Die Traumfrau des Buben, der damals noch nicht viele Fernsehtraumfrauen gesehen hatte.

Später: Die Hörbiger in "Schtonk" – glänzend kokettierend als verblühende Schönheit mit nasalem Adelstonfall: Freya Freifrau von Hepp, Nichte von Hermann Göring, alles Alt- und Neu- und Nicht-totzukriegen-Nazistische achselzuckend hinnehmend.

Dann, jetzt wieder für das Fernsehen, "Der Besuch der alten Dame": die Hörbiger als Claire Zachanassian. Schauer jagt sie dem Zuschauer über den Rücken, diese alte, böse Frau, für die jeder Abgrund ein Achselzucken ist. Durch sie, durch sie allein gelingt ein einziges Mal die Verfilmung von Friedrich Dürrenmatts Meisterdrama.

Auf der Bühne, in Film und Fernsehen

Doch die Welt der Schauspielerin Christiane Hörbiger ist nicht allein die von Film und Fernsehen. Auf der Bühne muss man sie erleben! Von 1969 bis 1972 war sie die Buhlschaft im Salzburger "Jedermann", dann die Marie in William Shakespeares "Was ihr wollt", die Flora in Johann Nepomuk Nestroys "Talisman", die Genia Hofreiter in Arthur Schnitzlers "Das weite Land". Sie hat von 1967 bis 1985 ein Festengagement am Schauspielhaus Zürich, spielt die Elisabeth in Friedrich Schillers "Maria Stuart", die Dorine in Molières "Tartuffe", die Arkadina in Tschechows "Die Möwe", die Alte in Eugène Ionescos "Die Stühle", die Alice in August Strindbergs "Totentanz".

Unbeschreiblich ist ihre Wandlungsfähigkeit. Und sie ist eine Vollblutschauspielerin: Für sie gibt es keine schlechten Rollen, keine schlechten Drehbücher für Film und Fernsehen, es kommt nur auf ihre Darstellungskunst an, was sie daraus macht. Hat sie zuviel gespielt, zuviele Rollen angenommen, speziell im Fernsehen, in flachen Krimis und Unterhaltungsserien? Nicht weniger als 65 Mal war sie im ARD "Julia – eine ungewöhnliche Frau". Machen Spitzenschauspielerinnen wie sie so etwas?

Andererseits: Kann man als Zuschauer von dieser Schauspielerin genug bekommen, die noch den müdesten Krimi, den kitschigsten Liebesfilm zur tiefschürfenden Charakterstudie macht, allein kraft ihrer Persönlichkeit, ihrer Mimik, ihrer Sprache?
Die Schauspielkunst ist der am 13. Oktober 1938 in Wien geborenen Christiane Hörbiger in die Wiege gelegt: Sie ist eine der drei Töchter des Schauspielerehepaars Attila Hörbiger und Paula Wessely und damit eine Nichte des Schauspielers Paul Hörbiger. Ihre Schwestern sind Elisabeth Orth und Maresa Hörbiger. Christian Tramitz ist ihr Neffe zweiten Grades, Mavie Hörbiger ihre Nichte zweiten Grades.

Christiane Hörbiger besucht das Gymnasium der Schwestern vom armen Kinde Jesus in der Wiener Hofzeile, wechselt in eine Handelsschule, doch es bleibt ihr erspart, die Konditorei, die ihre Eltern für sie erworben hatten, übernehmen zu müssen – das Lokal ist in Konkurs gegangen. Jetzt darf Christiane Hörbiger Schauspielerin werden.

Erst Debüt, dann Reinhardt-Seminar

Wie es sich für eine derartige geborene Komödiantin gehört, debütiert sie zuerst (1955 im Film "Der Major und die Stiere" unter der Regie von Eduard von Borsody) und beginnt danach die Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Lang bleibt sie nicht, sie zieht mit weiteren Filmrollen die Praxis vor. Was sie an erlernbarer Technik braucht, bringt ihr die große, unverwechselbare Alma Seidler in Privatstunden bei, dazu kommen eine Tanz- und eine Gesangsausbildung.

Der Rest dieses Lebens ist Theatergeschichte, Filmgeschichte, Fernsehgeschichte.

Zur Grande Dame gehört das weder besonders abgeschirmte noch besonders öffentlich stattfindende Privatleben: zweimal verheiratet, das erste Mal mit dem Regisseur Wolfgang Glück, das zweite Mal mit dem Journalisten Rolf R. Bigler. Aus dieser Ehe stammt der Sohn Sascha Bigler. Nach dessen Tod geht sie eine Beziehung mit Gerhard Tötschinger ein und lebt bis zu dessen Tod 2016 abwechselnd in Wien, Baden bei Wien und in Zürich. 2008 veröffentlicht Christiane Hörbiger ihre Autobiografie "Ich bin der Weiße Clown", in der sie auf angenehme Weise frei von Allüren auftritt.

Am 30. November ist Christiane Hörbiger in ihrer Geburtsstadt Wien gestorben.