Michael Maertens ist der neue Jedermann, Valerie Pachner die neue Buhlschaft. Damit steht die mit Spannung erwartete Besetzung der Hauptrollen von Hugo von Hofmannsthals alljährlich in Salzburg gezeigtem Mysterienspiel fest. Bei den diesjährigen Festspielen hatten Jedermann Lars Eidinger und Buhlschaft Verena Altenberger ihren Abschied vom Domplatz erklärt.

Michael Maertens wurde am 30. Oktober 1963 in Hamburg geboren, studierte an der Otto Falckenberg Schule in München und ging 1989 ans Hamburger Thalia Theater. Weitere Stationen waren das Schillertheater, das Deutsche Theater Berlin, die Münchner Kammerspiele, das Berliner Ensemble, das Schauspielhaus Bochum und das Schauspielhaus Zürich. Seit 2009 ist er fest im Ensemble des Wiener Burgtheaters. 2017 wurde er mit dem Titel Kammerschauspieler ausgezeichnet. Bei der Kritikerumfrage der Zeitschrift "Theater heute" wurde er zum Schauspieler des Jahres 2000 gekürt. Für seinen "Anatol" bei den Wiener Festwochen 2002 bekam er den Gertrud-Eysoldt-Ring. 2005 und 2021 erhielt der den Nestroy-Preis.

Valerie Pachner hat ihre Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar absolviert und war einige Jahre lang Ensemblemitglied am Residenztheater in München unter der Intendanz Martin Kušejs. 2017 wurde sie für die Rolle der Wally Neuzil im Film "Egon Schiele: Tod und Mädchen" mit dem Österreichischen Filmpreis und einer Romy ausgezeichnet. 2019 erhielt sie den Deutschen Schauspielpreis als beste Hauptdarstellerin in Marie Kreutzers Drama "Der Boden unter den Füßen".

"Die Figur kann viel"

Maertens sagt im APA-Interview über seine neue Herausforderung: "Man sagt dann ,der Jedermann-Darsteller', so wie ,der Kammerschauspieler' oder ,der Iffland-Ring-Träger'. Aber meinen Kollegen, die Herren Ofczarek, Moretti und Eidinger, haben mir bewiesen, dass die Figur viel kann. Und sie durften danach ja auch noch andere Sachen spielen."

Maertens interessiert nicht zuletzt die Fallhöhe der Figur, die er mit William Shakespeares "Richard II." vergleicht, "der auch am Zenit anfängt, dann einen ziemlichen Absturz hat und darüber ins Reflektieren und Philosophieren kommt." Das sei einer der Gründe, warum sich Maertens auf den Jedermann freut.

Die Liebe als Tod

Valerie Pachner und Maertens kennen einander bisher freilich überhaupt nicht, was gemeinsame Auftritte in Stücken oder Filmen betrifft. Nur telefoniert haben sie miteinander. Maertens hat sie in Filmen wie "Ein verborgenes Leben" von Terrence Malick gesehen und findet: "Sie ist eindeutig eine tolle Schauspielerin, die auch oft große Rollen am Residenztheater gespielt hat. Außerdem spielt sie bei uns auch den Tod. Wohin das führt, weiß ich noch nicht. Für sie geht es damit aber als Aufgabe weit darüber hinaus, bloß ein Kleid zu tragen und sich übers Dekolleté unterhalten zu müssen."

So sieht es auch Valerie Pachner im APA-Interview: "Die größte Bedeutung in dem Zusammenhang hat für mich, dass ich auch den Tod spiele. Die Buhlschaft ist und bleibt das Liebesobjekt eines Mannes. Da kann man als Schauspielerin alles versuchen - aber der Text gibt nicht viel mehr her. Das kann man nicht ändern. Daher ist es für mich schauspielerisch interessant, dass ich durch die andere Rolle mehr Raum kriege. In der Dualität dieser beiden Figuren, wobei die Buhlschaft für die Liebe und das Leben steht, tut sich eine interessante Spannung auf. Ich kann die Buhlschaft gar nicht mehr ohne den Gedanken sehen, dass ich auch den Tod spiele. Für mich war das bei meiner Entscheidung durchaus auch ausschlaggebend."

Spannend wird es nicht zuletzt dadurch, dass nicht nur Valerie Pachner und Michael Maertens noch nie miteinander gearbeitet haben, sondern Valerie Pachner auch noch nie mit dem Regisseur Michael Sturminger. Der Salzburger "Jedermann" erregt damit endlich wieder Aufsehen - und das lange bevor er in Szene geht. (apa/whl/cig)