Es kann kaum mehr bittere Ironie in einem Sterbedatum stecken: Als die Guillotine auf André Chénier herabsauste, schrieb man den 25. Juli 1794 - nur zwei Tage vor dem Sturz Robespierres und dem Ende des Pariser Köpferollens. Der Unglücksrabe, der mit nur 31 Jahren aus der Blüte seines Dichterlebens gerissen wurde, wirkte dafür weit über seinen Tod hinaus. Erst sorgten seine Zeilen unter den Romantikern für Furore, dann machte seine Leidensgeschichte auf der Opernbühne Karriere. "Andrea Chénier", 1896 uraufgeführt, geriet für seinen Komponisten Umberto Giordano zum bleibenden Erfolg: Der Verismo-Reißer mit den schwelgerischen Arien und dem schlagkräftigen Finale hat sich einen Randplatz im Repertoire erobert und ist so auch an der Wiener Staatsoper heimisch geworden.

Seit Mittwoch prangt dort wieder die betagte, opulente Regie von Otto Schenk (1981): Eine Freude, einmal wieder so selbsterklärende Bilder am Haus zu erblicken, im Verbund mit einer detailfreudigen Personenregie.

Diese Schauwerte sind dann auch Trost für eine teils durchwachsene Gesangsleistung. Jonas Kaufmann ist als Protagonist tätig: Sein Tenor wirkt mitunter unfrei, kämpft trotz aller Inbrunst mit Unsicherheiten; seine Trademark, das karamellige Timbre, ist erst gegen Ende in voller Pracht zur Stelle. Konstanter George Petean, der dem Widersacher Gérard einen profunden, wuchtigen Bariton verleiht. Maria Agresta wiederum tönt als Maddalena intensiv bis herb, Isabel Signoret (Bersi) steuert einen prägnanten Mezzo bei. Das Staatsopernorchester unter Francesco Lanzillotta hält die Spannung mit ruppigen Tönen aufrecht, lässt jedoch Geschmeidigkeit vermissen.

Was man als Leser der Untertitel übrigens vermisst: Beistriche. Wäre schon fein, würden die Libretto-Bildschirme des Hauses Nebensätze auch als solche ausweisen. Zuletzt ungeteilter Beifall mit Kaufmann im Jubelfokus.