Lass uns feiern, als wäre es 2099!" Mit diesem ein Jahrhundert in die Zukunft gedrehten Prince-Pop-Zitat startet die Theaterpreisgala. Auch so ein Zeichen, dass die nicht unter dem besten Stern steht. So wie der Name der Auszeichnung: Destroy, destruktive Anspielung auf das reale Pendant Nestroy. So richtig interessiert sind die Nominierten nicht, sie hängen alle im Backstage-Bereich ab. Nach und nach treffen dort in "Apokalypse Miau" von Kristof Magnusson, das am Donnerstag im Volkstheater uraufgeführt wurde, alle zusammen: Regisseur Wenjamin Olinde (Andreas Beck) mit altlinkem roten Intellektuellenschal, seine Kollegin Meta Gleiberg (Anke Zillich), eine Globalisierungs-und-sonst-auch-alles-Kritikerin, der Schauspiel-Newcomer Erasmus Selbach-Stein (Elias Eilinghoff), ein Lars Eidinger-artiger Jugendslang-Millennial, Konrad Fidelius (Uwe Rohbeck), ein Trachtenanzug-tragender Erzkonsi, Christian Gustafsson (Christoph Schüchner), der dialekt-polternde Komödienautor, Fritjof Blavatsky (Mario Fuchs), schamanischer Choreograf im Kleid, Celeste Engel (Bettina Lieder), laszive Hollywood-Österreicherin mit Hedy-Lamarr-Multitasking-Hintergrund und Bonnie von Klompp (Evi Kehrstephan), die gar beseelte Moderatorin und Organisatorin der "Destroy"-Gala.

Pointen-Pingpong

Und dort liefern sich diese Protagonisten im Pointen-Pingpong Schlagabtäusche, die sich durch ihre Klischee-Charaktere trefflich ergeben. Meta und Wenjamin sind sich zwar einig darüber, dass die Preiskategorie "Bestes Ernährungskonzept für eine Nebenrolle" lächerlich ist, aber sonst kann es die Regisseurin nicht lassen, den alten Chauvi an "Class, Race und Gender" zu erinnern. Dem ist aber wichtiger, ob eine Gurke auf seinem Brötchen den Käse besudelt. Erasmus gendert erst nach Analyse des Gegenübers, da kann man ja auch übelst ins Fettnäpfchen treten - nur eins der Symptome seines saukomisch vorgebrachten Anpassungskomplexes. Weil sich das Konfliktpotenzial mit dem Rechtsaußen-Wutbürger Konrad gewaltig erhöht, versucht es der Alles-happy-Namaste-Choreograf Fritjof mit einem Ritual. Und dann wird Konrad mit dem Preis ausgezeichnet, woraufhin Meta ihren nicht mehr annehmen will.

Und das wird nicht der letzte Knaller des Abends bleiben. Denn während Bonnie sich wacker durch den Tunnel des Verdrängens moderiert, versprühen nicht nur Supervulkane Endzeitstimmung, sondern auch ein Asteroid hat sich’s anders überlegt und fliegt jetzt doch nicht an der Erde vorbei. Deswegen rummst es kurz vor der Pause noch ordentlich und nach derselben hat Fritjof eine unschöne Fleischwunde und die Frauen haben attraktiv auf einen Mini runtergebrannte Kleider - wie im Katastrophenfilm üblich.

Der Überlebenskampf ist dann vor allem auf die Suche nach einem funktionierenden Internet beschränkt - für Instagram oder die Aktienkurse, je nachdem. Erasmus stellt bestürzt fest, dass das ganze Vegansein die Welt gar nicht gerettet hat, und Meta konstatiert in irrem Gelächter, dass nun die Welt an dem Einzigen, wovor sie nie gewarnt hat, zugrunde gehen wird. Wenig Trost bietet, dass offenbar Linz von der Apokalypse verschont wurde.

Goethe, Otto, Teletubbies

Kristof Magnusson ist hier eine kurzweilige, mit Liebe zum Gag-Detail versehene Persiflage gelungen. Sein üppiger Anspielungsfundus reicht von Goethe bis zu Otto Waalkes. Die Stereotypen von aktuellen Bühnenströmungen werden als Charaktere recht liebevoll ausgearbeitet. Die Inszenierung von Kay Voges, der gern Theatertrends ironisiert, gibt ihnen den Raum, dass sie nicht flach bleiben. Das fabelhafte Ensemble tut das Übrige dazu. Nur die Teletubbies, die ab und zu auftreten, könnte man vielleicht als den Hauch zu viel ansehen. Aber wenn sie dann im Angesicht des Feuerballs "Winkewinke! Arbeitskampfi!" rufen, ist das so bizarr, dass es auch schon wieder seine Berechtigung hat.

Spielen bis zum letzten Atemzug - das ist wohl das hehre Ziel von Theaterleuten. Dass es wahrscheinlich eher Streiten bis zum letzten Atemzug sein wird, macht dieser Abend deutlich. Und dass es dann dabei womöglich um umsonst verwendete gatschige Papp-Strohhalme gehen wird, macht auch nicht mehr Vorfreude auf den Weltuntergang.