Ein Nasenhaarschneider von ihr für ihn als Geschenk zum Hochzeitstag? - Warum nicht? (Er hat den Hochzeitstag natürlich ganz vergessen.)

Warum nicht? - Weil Freundin und Freund des nicht mehr ganz jungen Ehepaars daraus schließen, dass aus der Beziehung die Luft 'raus ist. Die beiden merken es zwar noch nicht, aber sie steuern auf die Scheidung zu. Pfeffer für die Gemeinsamkeit muss her in Form eines Seitensprungs für sie und einen für ihn. Womit das Chaos beginnt.

"Seitensprung für zwei" von Lars Albaum und Dietmar Jacobs war vor etlichen Jahren ein Heiterkeitsgarant in der Komödie im Bayerischen Hof in München, wirkte dort aber als deutliches flaches Amüsement unter Niveau.

Timing und Sympathie

In der Wiener Komödie am Kai ist das anders, was wieder einmal zeigt: Boulevard muss man können. Da geht's nicht nur um die Pointen des Textes, man braucht auch Timing. Und, ganz ehrlich: Die Rollen müssen sympathisch besetzt sein. Wenn man als Zuschauer den Herr- und Frauschaften auf der Bühne das Glück nicht aus vollem Herzen gönnen kann, ist alles verloren.

Und fast alles ist schon gewonnen, wenn man es ihnen gönnen kann - wie in der Komödie am Kai: Anke Zisak und Rochus Millauer sind ein herrliches Ehepaar in mittleren Jahren, sicher: viel Routine, aber die Liebe ist immer noch da. Wie sich die beiden absolut nicht auf den prickelnden Seitensprung einlassen wollen, weil sie einander viel zu sehr mögen, ist herzerwärmend. Dazu kommen Natasha Schalaby als Simona, die leichtlebige Freundin des Paars, Robert Mohor als dessen möchtegern-aufreißerischer Freund Rudi, Anna Sophie Krenn (alternierend mit Lara Neversal) als konservative Sandy, die leider mit der völlig anders gestrickten Mandy verwechselt wurde, und Rafael Witak, dem man den griechischen Griechen auf den Muskelstrang glaubt.

Sissy Boran und Andrea Eckstein haben das in glänzenden Bühnenbildern von Martin Gesslbauer (sprechende Kostüme von Barbara Langbein - der Kuschelanzug ist ein Lachschlager für sich!) mit viel Fingerspitzengefühl für Pointen inszeniert. Man spürt, dass die beiden die Gestalten mögen, da ist nichts übertrieben klamaukig und gerade dadurch unglaublich witzig - und, wenn Simona merkt, dass viele Kurzzeitbeziehungen die Liebe nicht ersetzen, auch berührend.

Ein wunderbarer Abend, an dem man lachen kann und vielleicht auch ein wenig nachdenken. Und sei es nur darüber, ob man einen Nasenhaarschneider schenken soll oder vielleicht geschenkt bekommt.