Wenn sich der Geburtstag von Johann Strauß Sohn zum 200. Mal jährt, lässt sich die Stadt Wien das eine Stange Geld kosten: Die Feierlichkeiten (die "Wiener Zeitung" hat exklusiv berichtet) sollen sich im Rahmen eines Festivals über das ganze Jahr 2025 erstrecken, zum Intendanten wurde Roland Geyer (69) erkoren. Der ehemalige Direktor des Theaters an der Wien soll für das Strauß-Jahr die Institutionen der Stadt vernetzen und dabei nicht nur der hiesigen Bevölkerung Strauß schmackhaft machen, sondern auch Touristen anlocken. Im Herbst ist dafür eine GmbH als Tochter der Wien Holding gegründet worden: Geyer ist künstlerischer Leiter, Simon Posch sein kaufmännisches Pendant. Letzterer wird seinen bisherigen Posten als Direktor des Hauses der Musik allerdings nicht aufgeben, sondern darüber hinaus zehn Stunden pro Woche für das Jubeljahr tätig sein.

Am Montag gab Geyer einen ersten Programm-Ausblick und versprach, inhaltlich neue Wege beschreiten zu wollen. "Wir werden Johann Strauß nicht mit seinen Walzern und Polkas abfrühstücken", versprach er und legte die Latte hoch: Man wolle das Festjahr aus Wien in die Welt hinausstrahlen lassen und die Stadt als "wichtige, wenn nicht die wichtigste Kulturmetropole" der Welt präsentieren.

Nach der Leitung des Theaters an der Wien nun um Johann Strauß bemüht: Roland Geyer. - © apa / Steinmaurer
Nach der Leitung des Theaters an der Wien nun um Johann Strauß bemüht: Roland Geyer. - © apa / Steinmaurer

Geyers Team hat seine Kreativarbeit gerade erst aufgenommen, das Programm wird wohl erst in geraumer Zeit, spätestens am 25. Oktober 2024, dem 199. Geburtstag von Strauß, präsentiert werden. Die Projekte sollen ein breites Spektrum an Genres bedienen: Der Walzerkönig soll ebenso auf den Opernbühnen gefeiert werden wie in Gestalt von Performances und im Museum; die Musiksparten Jazz, Rock und Elektronik könnten ebenfalls einbezogen werden, die etablierten Kulturtempeln werden wohl ebenso zum Einsatz gelangen wie Freiluft-Events. Um Kooperationen zu schmieden, hat Geyer bereits bei den Wiener Opernhäusern und Orchestern angeklopft und den Festwochen. Finanziell stehen 20 Millionen Euro zur Verfügung; eineinhalb Millionen dürfen bereits in der Startphase verwendet werden.

Entschärfter Komponistenname

Dass sich das Ganzjahresfestival übrigens nicht "Strauß-Jahr", sondern "Strauss-Jahr" nennt, hat mehrere Gründe. Zum einen spreche einiges dafür, dass sich schon der Komponist selbst mit Doppel-s geschrieben habe, sagt Geyer. Zum anderen hat der Verzicht auf das scharfe ß natürlich auch eine ganz profane Ursache: seine Unbekanntheit bei einem fremdländischen Publikum.(irr)