Der italienische Kultur-Staatssekretär Vittorio Sgarbi setzt weiter Scala-Intendant Dominique Meyer unter Druck. Der 70-jährige Sgarbi, der seit Ende Oktober als parteiloser Staatssekretär Mitglied der Regierung um Premierministerin Giorgia Meloni ist, mahnt Meyer, sich für die Rückkehr des Stardirigenten Riccardo Muti an die Scala einzusetzen.

"Wenn wir in Frankreich wären, hätte man den großen Dirigenten Riccardo Muti auf jeden Fall an der Opéra de Paris behalten. Ein Intendant von internationalem Niveau, wie es Meyer zweifellos ist, hätte Muti unbedingt an die Scala zurückbringen sollen und müssen, denn er ist schon zu lange von dem Theater weg, das er 20 Jahre lang meisterhaft geleitet hat", erklärte Sgarbi nach Medienangaben.

Sgarbi sorgt bereits seit Tagen in Italiens Kulturszene für Wirbel. Am Rande der Scala-Premiere mit der russischen Oper "Boris Godunow" am Mittwochabend sprach sich der Staatssekretär dafür aus, dass nach mehreren ausländischen Intendanten wieder ein Italiener die Leitung der Scala übernehmen sollte, die aktuell Meyer, Ex-Direktor der Wiener Staatsoper, innehat. Dieser reagierte pikiert: Seit 35 Jahren sei er in Italien gut aufgenommen worden, und jetzt höre er erstmals dieses harte Wort "Ausländer". Er vermute, dass Sgarbi seine Leistung gar nicht kenne. Sgarbi sagte, es sei ebenso eine Frage des Prinzips, dass die Uffizien in Florenz, aktuell unter dem Deutschen Eike Schmidt, in italienischer Hand seien.

1986 folgte Muti seinem Rivalen Claudio Abbado als Musikdirektor der Scala nach und leitete zahlreiche Neuproduktionen, vor allem von Mozarts, Verdis und Wagners Werken. Im April 2005 beendete er seine Tätigkeit als Musikdirektor der Scala, nachdem der von ihm favorisierte Intendantenkandidat Maurizio Meli nicht die erhoffte Zustimmung der Belegschaft gefunden hatte.

Bruch mit der Scala

Nach seinem Bruch mit der Scala widmete sich Muti mit voller Energie seinem Jugendorchester "Luigi Cherubini", mit dem er durch die ganze Welt tourte. Zugleich übernahm er die Funktion des Intendanten der Salzburger Pfingstfestspiele, in denen er die Musik seiner Heimatstadt Neapel präsentierte. Von 2007 bis 2011 führten Muti und die Festspiele jährlich eine Oper und vier Konzerte aus Neapel, der ehemaligen Welthauptstadt der Musik, in Salzburg auf. 2010 wurde Muti Chefdirigent des "Chicago Symphony Orchestra".

Muti ist seitdem selten an der Scala als Dirigent aufgetreten und hat im Mailänder Opernhaus kein Amt mehr besetzt. Immer wieder ertönen jedoch Forderungen nach eine Rückkehr des Maestro an die Scala. (apa/mit/whl)