Es ist ein Experiment, das eventuell noch durch weitere Feldversuche zu bestätigen ist. Autor und Pianist Walter Baco hat am Montag im Wiener Radiokulturhaus drei ordentliche Kaliber zu einer kabarettistischen Lesung versammelt: "Das satirische Zentralamt" lautet der Titel, und Miguel Herz-Kestranek, Nadja Maleh sowie Joesi Prokopetz lauten die Namen der Bühnengrößen, die da gemeinsam Mono- und Dialoge lesen, deren Urheberschaft man nicht nur Baco, sondern ebenso gut Georg Kreisler oder Helmut Qualtinger zuschreiben könnte.

Es sind komische Vögel, die auch der Welt von Friedrich Torbergs berühmter Tante Jolesch entsprungen sein könnten, und alle drei Lesenden lassen ihre jeweils eigene Präsenz hineinfließen. Da will eine naiv wirkende Maleh bei einem anzüglichen Prokopetz eine Wohnung mieten; Herz-Kestranek gibt einen künstlerischen Ungustl, um hernach mit Prokopetz über völlig Sinnloses zu streiten. Und die Texte nehmen meist irgendwann eine Wendung um 180 Grad oder driften ins Absurde ab (obwohl vieles davon nur allzu realistisch ist), voller Wortspiele und mitunter fast schon prosaisch, bisweilen mit einer boshaften Note und dabei doch auch irgendwie einlullend. Das liegt vielleicht auch an Bacos improvisierten Zwischenspielen am "Geflügel" (Zitat Prokopetz), die erst disharmonisch daherkommen, aber allmählich gefälliger werden. Es ist ein Abend, an dem vor allem Herz-Kestranek große Wandlungsfähigkeit zeigt, der allerdings nach knapp 70 Minuten schon wieder vorbei ist.

Walter Baco improvisiert am "Geflügel". - © Markus Spitzauer
Walter Baco improvisiert am "Geflügel". - © Markus Spitzauer