Die Bregenzer Festspiele haben eine Führungsfigur für die Zukunft gefunden: Die Finnin Lilli Paasikivi wird die Nachfolge von Langzeitintendantin Elisabeth Sobotka antreten.

Sobotka leitet das Festival seit 2015. In diesem Frühling ist bekanntgeworden, dass die Wienerin die volle Laufzeit ihres Vertrags zwar erfüllen will, nach dem Sommer 2024 aber als Intendantin an die Berliner Staatsoper Unter den Linden wechseln wird. Entsprechend emsig ließ Festspielpräsident Hans-Peter Metzler in den Vormonaten nach einer neuen Führungsfigur suchen und konnte diese am Mittwoch in Gestalt von Lilli Paasikivi vorstellen.

28 Jahre an einem Opernhaus

Insgesamt 26 Bewerbungen seien eingegangen, erklärte Metzler; als Kriterien für die Kür nannte er Know-how, Liebe zum Musiktheater, Führungsstärke, Mut und Innovationskraft. Man habe den Auswahlprozess bewusst "rasch mit Experten vorangetrieben. Es kann jetzt jeder beruhigt in die Weihnachtsferien gehen", erklärte er lächelnd.

Paasikivi, die ihre erste Pressekonferenz auf Deutsch bestritt, bedankte sich bei dem Festspielpräsidenten für das "inspirierende Vertrauen". Die Finnin, in Österreich ein weitgehend unbeschriebenes Blatt, hatte bisher vor allem als Mezzosopranistin gearbeitet. Nach ihrem Studium hatte sie im Opernstudio der finnischen Nationaloper begonnen und war dort 18 Jahre als Ensemblemitglied tätig. Paasikivi sang am Haus unter anderem die Fricka im "Ring des Nibelungen", ebenso die Carmen und die Amneris in der "Aida". Auch international war die Mezzosopranistin in verschiedenen Kontexten zu erleben und arbeitete mit namhaften Dirigenten zusammen - von Paavo Järvi über Sir Simon Rattle bis hin zu ihrem Landsmann Esa-Pekka Salonen.

Ab den 2010er Jahren zeigte die Sängerin aber auch gestalterischen Ehrgeiz abseits der Bühne: Von 2010 bis 2015 fungierte sie als künstlerische Leiterin der finnischen Pyhäniemen-Kartano-Konzertreihe und gründete 2016 im Südwesten des Landes ein Festival mit dem Namen Sydänkesän säveliä. Im Jahr 2013 übernahm Paasikivi, die sich nach eigenen Worten für innovative Technologien und das Erschließen neuer Publikumsschichten interessiert, die Führung der finnischen Nationaloper und leitet das Haus bis heute. Am Mittwoch streute sie ihrer bisherigen Heimatbühne zwar Rosen, zog bei der Pressekonferenz in Vorarlberg aber gedanklich einen Schlussstrich: "28 Jahre an einem Haus sind genug. Es ist Zeit für etwas Neues."