Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Shakespeare-Komödien ist die Frage: Wen soll ich heiraten und vor allem: Warum? Im elisabethanischen Zeitalter hing die Antwort vor allem von Herkunft und Stand ab. Dass Orlando, der Held von "Wie es euch gefällt", Audrey, das mittellose Mädchen vom Land, heiraten könnte, war für Shakespeares Zeitgenossen demnach völlig undenkbar. Romantische Vorstellungen von einer Liebesheirat? Fehlanzeige! Allerdings hielt man anno dazumal in der aristokratischen Gesellschaft auch nicht sonderlich viel von Treue.

Das Koordinatensystem von Liebe und Ehe hat sich im Lauf der Jahrhunderte grundlegend gewandelt. Das ist mit ein Grund, warum es schwerer ist, Shakespeares Komödien gegenwartstauglich auf die Bühne zu bringen, als seine Tragödien, in denen vielschichtige Figuren mit komplexen Problemen meist in äußerst gefinkelte Intrigen verwickelt sind.

Regisseurin Tina Lanik bietet nun sämtlichen Widrigkeiten die Stirn und setzt "Wie es euch gefällt" im Burgtheater um, Premiere ist am Samstag, 17. Dezember.

"Komplizierte Schönheit"

Das zentrale Liebespaar, Orlando und Rosalinde, ist mit Christopher Luser und Nina Sievert exquisit besetzt. Auch bei der Bühnenmusik ist ein Coup geglückt: Oskar Haag zählt seit seiner Single "Stargazing" zu den bemerkenswertesten Nachwuchs-Musikern des Landes, sein Vater ist übrigens Oliver Welter von Naked Lunch. Kritiker beschreiben Haags Kompositionen als "Lieder von komplizierter Schönheit".

Keine schlechte Ausgangsposition für die Vertonung von "Wie es euch gefällt". Ist doch der Bühnentext ebenfalls von "komplizierter Schönheit". Allein sprachlich muss eine heutige Fassung einiges an Übersetzungsarbeit leisten. Bonmots wie "Liebe ist reiner Wahnsinn" sind über Raum und Zeit hinweg verständlich, aber viele andere pikante Wortspiele und zweideutige Anspielungen, über die sich ein elisabethanisches Publikum köstlich amüsierte, sind heute kaum noch nachvollziehbar. Das gilt gleichermaßen für das Changieren zwischen derben Redewendungen und der gestelzten Redeweise der höfischen Kultur, die Shakespeare gerade in seinen Komödien glanzvoll vorführte.

Viele Komödien-Inszenierungen kapitulieren daher vor dem Text, weichen in Slapstick aus. Eine Weile lang gehörte es zum guten Ton, dass jede Shakespeare-Inszenierung auch ihre eigene Übersetzung vorlegte. Im Burgtheater greift man auf Jürgen Goschs Bearbeitung zurück, die er 2012 für seine Inszenierung am Deutschen Schauspielhaus Hamburg entwarf - eine schlanke Fassung voll zupackender Direktheit.

"Wie es euch gefällt", Shakespeares populärste Komödie, basiert auf dem seinerzeit weithin bekannten Roman "Rosalynde" von Thomas Lodge (1590). Auch bei Shakespeare ist Rosalinde die Zentralfigur: Chamäleon-artig wird sie einer mehrfachen Travestie unterworfen. Sie verkleidet sich bekanntlich als Mann; in einer Schlüsselszene spielt sie Orlando im Männerkostüm vor, sie wäre eine Frau. Solche Geschlechterverwischungen, nicht untypisch für das barocke Theater, knüpfen auch an gegenwärtige non-binäre Geschlechterüberlegungen an.

Wie wird Regisseurin Tina Lanik mit Shakespeares Gender-Trouble umgehen? Antwort darauf: demnächst im Burgtheater.