Thomas Pigor und Benedikt Eichhorn feiern ein Jubiläum. Die beiden touren nämlich mit ihrem zehnten Bühnenprogramm durch die deutschsprachigen Lande und liefern dabei ihren Fans das, was diese sich von ihnen erwarten: Chanson- und Rap-Kabarett auf höchstem Sprachniveau. Schon bei der ersten Nummer, in der sie ihre Sicht auf das Kabarett im Allgemeinen und ihr Jubiläumsprogramm mit dem schlichten Titel "Volumen X" im Speziellen rappen, würde man am liebsten zu tanzen beginnen.

Weil aber die Sitzreihen im Wiener Kabarett Niedermair ein wenig eng dafür sind, bleibt man stattdessen sitzen und lauscht in den folgenden zwei Stunden ihren Ausführungen, die sich auch und vor allem um Zitate aus dem Essay "Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren" des 2020 verstorbenen Philosophen Hubert Schleichert drehen. Sie holen aber auch Arthur Schopenhauers fast 200 Jahre alte Kunstgriffe der Debatte hervor, wenn Politiker und ihre Kritiker, Rassisten und alle möglichen anderen Idioten, die einen so umgeben, ihr Fett abbekommen. Pigor und Eichhorn frotzeln auch einander, wobei - getreu ihrem Konzept - Ersterer nur vordergründig Zweiteren dominiert.

Und ja, auch die Lockdowns und der Klimawandel kommen vor. Insgesamt arbeiten sich die beiden an aktuellen Themen ab, die bei genauerer Betrachtung eigentlich uralt sind. Zwischendurch loten sie auch die moralischen Grenzen von Kunst aus und was etwa Sternchen und Binnen-I für deutschsprachige Liedtexte bedeutet. Die Lösung: Gendern auf Plattdeutsch. Wie das dann klingt, ist ganz typisch für den wunderbar zynischen und bildugsbürgerlich-feingeistigen Humor von Pigor und Eichhorn.