"What the world needs now is love", mit einigen Takten von Jackie DeShannons romantischem Evergreen, Soundtrack zahlloser Romcoms, beginnt Tina Laniks Inszenierung "Wie es euch gefällt". Die weitläufige Bühne des Burgtheater ist leer geräumt und nachtschwarz, im Scheinwerferlicht erkennt man den jungen Musiker Oskar Haar, er trägt ein lilafarbenes Kleid, es sieht aus wie ein zartes Nachthemd, mit dem Rücken zum Publikum singt er von "Love sweet love".

Diese Shakespeare-Inszenierung ist offenbar von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt. Keine falsche Lesart, schließlich geht es in "Wie es euch gefällt" darum, dass jede, aber auch wirklich jede Bühnenfigur im Lauf der fünf Akte sich einmal so richtig verliebt und bis zum Happyend allerlei Liebeskummer zu durchleiden hat. Zugespitzt formuliert ist "Wie es euch gefällt" Prototyp der romantischen Komödie.

Gewitzte Travestie

Im Burgtheater tritt einmal ein lebensgroßes rosa Plastik-Einhorn als Bühnenrequisit auf den Plan - und rosa in sämtlichen Schattierungen ist die bevorzugte Farbe der Ausstattung (Bühne: Stefan Hageneier, Kostüme: Aino Laberenz). Jedenfalls funktionieren im Lauf der fast dreistündigen Inszenierung die Szenen am besten, in denen schlicht auf Herzschmerz gesetzt wird: Wenn der Musiker Oskar Haag Liebeslieder singt und die Schauspieler sich hemmungslos verspielte Momente erlauben. Beispielhaft geglückt ist etwa jene Schlüsselszene, in der Rosalinde als Mann verkleidet Orlando vorspielt, sie wäre eine Frau und ihn darin unterweist, wie Mann um eine Frau wirbt. Mit Nina Siewert und Christoph Luser treffen hier zwei ausgezeichnete Theatertemperamente aufeinander, es ist eine Freude, ihnen bei der gewitzten Travestie zuzusehen.

Tolle Temperamente: Nina Siewert, Christoph Luser. - © M. Horn
Tolle Temperamente: Nina Siewert, Christoph Luser. - © M. Horn

Aber das Burgtheater darf natürlich nicht hollywoodesk werden. Sobald zu viel Gemüt ins Spiel kommt, steigt Regisseurin Lanik auf die Bremse. Bloß keine Kitschorgie veranstalten. Allerdings: Was bleibt dann vom Stück? Mit der Rahmenhandlung, eine Verballhornung des Schäferstücks, einem damals beliebten Genre, kann ein heutiges Publikum kaum mehr etwas anfangen. Dadurch wirken die Szenen mit den Schäfern häufig etwas unausgegoren, auch Lanik gelingt es nicht, die Naturburschen sinnfällig zu integrieren.

Auch die Trennung zwischen dem strengen Leben am Hof und der Flucht in den Wald, beflügelt heutzutage wohl kaum jemanden. Bei Shakespeare werden die Protagonisten in einen Wald namens Arden verbannt - eine Wortschöpfung aus Arkadien und Eden. Dieses Paradies zum Quadrat wandelt sich in einen fantastischen Sehnsuchtsort, in dem schneebedeckte Palmen existieren und einen Moment lang sämtliche Konventionen ausgehebelt werden. Eine Frau vermag dort tatsächlich einen Mann zu verführen. Himmel!

Queere Rollen

Der Regelbruch im elisabethanischen Zeitalter ist heute längst Alltag. Woher bezieht die Inszenierung also Spannung? Lanik weicht auf queere Konstellationen aus: Andrea Wenzl legt den Narr Tochstone als non-binäre Figur an und verliebt sich in das Bauernmädchen Audrey, das von Lukas Vogelsang verkörpert wird. Sabine Haupt stellt Celia bisexuell dar und der ursprüngliche Bruderzwist wird zu einem Bruder-Schwestern-Konflikt zwischen Olivia (Alexandra Henkel) und Orlando (Luser). Modernisierte Rollenzuschreibungen, deren künstlerischer Mehrwert jedoch fraglich bleibt.

Überhaupt fehlt es der Inszenierung an Rhythmus. Immer wenn szenische Dynamik gefragt wäre, zieht einer der Akteure am Seidenvorhang, der zu einer Bühne auf der Bühne gehört. Munter flattern die Stoffbahnen im Luftzug - auf und wieder zu. Dieses Vorhang-Intermezzo mag gleichsam als Sinnbild für die gesamte Inszenierung herhalten: Ein gelungener Effekt, aber wozu eigentlich?