Mit einem Höllenlärm beginnt "Black Flame - a Noise Essay" im Volkstheater. Die Bühne von Michael Sieberock-Serafimowitsch sieht mit Metallgestellen, Plastikplanen und blauen Ölkanistern wie eine Industrieruine aus und bietet einen gelungenen Spielort für die Schauspielerin Anna Rieser, die als Solo-Performerin die 90-minütige Aufführung bestreiten wird.

Am Beginn sitzt Rieser im orangefarbenen Arbeits-Overall hoch oben auf dem Gerüst, ein Mikrofon in der Hand und stellt sich vor als Elon Musk. Der Tesla-Multimilliardär hält nun auf der Bühne des Volkstheaters in Gestalt von Anna Rieser und mit elektronisch verzerrter Stimme einen Monolog über die Energieverschwendung der Sonne, die sich für nichts und wieder nichts für die Menschheit verausgabt.

Die Schauspielerin Anna Rieser als Elon Musk. - © Birgit Hupfeld
Die Schauspielerin Anna Rieser als Elon Musk. - © Birgit Hupfeld

Profitgier

Der Auftakt mit Musk macht durchaus Sinn, schließlich gilt er als reichster Mann des 21. Jahrhunderts, der zuletzt damit Schlagzeilen machte, dass noch keiner vor ihm innerhalb eines einzigen Jahres so viel Vermögen vernichtet habe, angeblich habe er mit seiner Hybris 200 Milliarden Dollar in den Sand gesetzt.

Schließlich will der Bühnenessay der Theatermacherin Manuela Infante vor allem die kapitalistische Gier anprangern, die Ausbeutung natürlicher Ressourcen für einen fragwürdigen Fortschritt, all das wird am Beispiel des Rohstoff Öls durchdekliniert.

Das Öl als Motor des Kapitalismus, unter dem gegenwärtig der Planet ächzt, wird in fünf Kapiteln anhand von fünf Protagonisten verhandelt. Nach Musk, dem Profiteur und skrupellosen Konzernmanagern, tritt ein deprimierter Wissenschaftler auf den Plan, ein Coach, der den Vorgaben des Green-Washings folgend, sich in einem fort bei der Natur entschuldigt und dennoch ungerührt am Fortschritt festhält sowie ein Formel-1-Fahrer.

Die Monologe werden durch Fragen in Gang gesetzt, die als Schriftzüge am Bühnenhintergrund zu lesen sind. Der Fragesteller aus dem Off stellt sich als Medium vor, als jemand, der mit den Toten spricht.

Wie klingt Öl?

Die chilenische Theatermacherin Manuela Infante ist bekannt dafür, gesellschaftspolitische und philosophische Themen auf die Bühne zu bringen, ihre Arbeiten wurde auf wichtigen Festivals gezeigt, etwa bei der Biennale in Venedig. Bei ihrem Wien-Debüt beweist sie sich als Regisseurin, die ihre Mittel bestens beherrscht: Mit dem Sounddesigner Diego Noguera erschuf sie eine Klanglandschaft, die nicht nur den Rhythmus der Aufführung strukturiert, sondern mit Sprachverzerrungen und Klangzerlegungen mächtig Eindruck hinterlässt. Die Klangwelt wird zu einer ebenbürtigen Bühnenpartnerin.

Inhaltlich hat sich Infante absichtsvoll von jeglicher Narration entfernt, ungeordnete Gedankengänge sind beabsichtigt, da es um Assoziationen rund um das Thema Öl geht, gewitzte Gedankensplitter sind willkommen rund um die Energiequelle, die hier ob ihrer Entstehungszeit launig als "Dino Juice" beschrieben wird. Jedoch driftet der Gedankenstrom zunehmend in Richtung Tod und Sterben ab. Der Text lässt sich sogar zu der Behauptung hinreißen, wir könnten vom Öl etwas über das Sterben lernen. Wenn das bloß nicht ein zu großes Vorhaben ist, für einen so schlichten Bühnenessay.