Drei Jahrzehnte lang waren sie ein gefeiertes Comedy-Duo, doch vor elf Jahren haben sich Willie Clark und Al Lewis getrennt. Jetzt sollen die beiden für ein Special wieder gemeinsam auftreten, doch dazu müssen sich erst einmal zusammenraufen. Was Autor Neil Simon (1927 bis 2018) vor genau 50 Jahren erstmals auf die Broadway-Bühne brachte, sorgt nun auch im Wiener Gloria Theater für brüllende Lacher, inklusive Finger in der Brust und "Herein!" statt "Ja, bitte!".

Gerald Pichowetz (der Prinzipal feiert nach 14 Monaten krankheitsbedingter Absenz sein Comeback auf der Bühne) gibt einen sehr zynischen, verbitterten, aber auch verwirrten Willie, der im fleckigen Flanellpyjama in einer versifften Hotelsuite haust, mit einem Türschloss als Running Gag. Sein Konterpart Al (Andreas Steppan) tritt hingegen sehr adrett auf, ist aber ebenso zerstreut und pflegt einen trockenen Humor. Hier prallen tatsächlich zwei Welten aufeinander, und Robert Notsch steht als verzweifelter Neffe Ben zwischen den Fronten. Ihm zur Seite steht Aurelia Lanker als Krankenschwester.

Auch der eine oder andere Altherrenwitz wird aufs Korn genommen (im Bild Aurelia Lanker als langbeinige Krankenschwester mit Gerald Pichowetz). 
- © Gloria Theater

Auch der eine oder andere Altherrenwitz wird aufs Korn genommen (im Bild Aurelia Lanker als langbeinige Krankenschwester mit Gerald Pichowetz).

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Rund um Notsch torkeln zwei alte Streithanseln über die Bühne - und die beiden wirken dabei verstörend authentisch in ihrer Behäbigkeit. Pichowetz gemahnt zudem recht stark an Otto Schenk zu dessen besten Zeiten. Willies zur Schau gestellte Lebensunfähigkeit bereitet beim Zusehen fast schon körperliche Schmerzen. Pichowetz und Steppan stehen in der Intensität ihrer Auseinandersetzung jener von Walther Matthau und George Burns in der legendären Verfilmung von 1975 um nichts nach. Und dazwischen kommt auch heraus, warum Willie nach Als plötzlichem Rückzug von der Bühne eine dermaßen große Hassliebe gegenüber ihm kultiviert. Es geht auch um Kränkungen, Vergeltung und Vergebung.

Willie Clark (Gerald Pichowetz, sitzend) lässt seinen Neffen Ben (Robert Notsch, stehend) verzweifeln. 
- © Gloria Theater

Willie Clark (Gerald Pichowetz, sitzend) lässt seinen Neffen Ben (Robert Notsch, stehend) verzweifeln.

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Autor Simon geht überhaupt ganz tief ins Grundsätzliche, wenn seine beiden Hauptfiguren über Kleinigkeiten streiten, einander die ewig gleichen Dinge vorhalten, aneinander vorbeireden, stets des anderen Haare in der Suppe suchen. Seine bitterböse Satire ist voller Situationskomik und aberwitziger Dialoge, und der Dramatiker gehörte zurecht zu den erfolgreichsten Broadway-Autoren. Auch, weil seine Stoffe so zeitlos sind. Die "Sonny Boys" zum Beispiel hatten 1972 Premiere, doch die Themen Demenz und Künstlerprekariat, die darin so unbarmherzig aufs Tapet gebracht werden, dass einem das Lachen eigentlich schon fast im Hals stecken bleibt, wirken auch 50 Jahre später brandaktuell.