Zuckerwatteflankerl fliegen durch die Luft. Es riecht nach Kirtag und Fröhlichkeit. Eine Falle, sicher. Denn sonst sieht die Bühne aus wie ein verlassenes Labor. Das passt schon irgendwie, in diesem Stück, das unter anderem von einem misslungenen Experiment handelt. "Grelle Tage" von Selma Matter, das Siegerstück des Hans-Gratzer-Stipendiums 2022, das am Donnerstag im Schauspielhaus uraufgeführt wurde, erzählt auf verschiedenen Ebenen. Da geht es zum einen um Archäologen, die Mammuts in Sibirien freilegen, um sie nachzuzüchten. Da geht es um das Matterhorn, das zerbröselt. Verbunden sind die Ebenen durch einen 13.000 Jahre alten Hund, der hier aussieht wie der Pezi, der ein paar sehr harte Nächte mit dem Kasperl durchgemacht hat.

Ein solcher Hund wurde 2018 wirklich im nordostsibirischen Jakutien im Permafrost entdeckt. Die Fotos dieses Fundes blitzen ganz kurz auf der Videowand auf. Richtig flauschig sieht er aus, der "Dogor". So haben ihn die Forscher getauft, das bedeutet in der jakutischen Sprache Freund. In "Grelle Tage" wird er das nun wirklich: ein Freund. Der dem 13-jährigen Jo - er wird wie der Hund abwechselnd von einem erwachsenen und einem Kinderschauspieler dargestellt - dabei helfen will, manches, das der Klimawandel mit sich bringt, wieder geradezurücken. Und zum Beispiel das zerbröselnde Matterhorn wieder aufzuschütten mit Kies aus dem Baumarkt.

Das Stück beziehungsweise seine Inszenierung durch Charlotte Lorenz hat gute, doppelbödige Momente, zum Beispiel wenn der Matterhorn-Steinschlag durch Pingpong-Bälle verbildlicht wird oder wenn Jo in Posen verschiedener Kunstwerke, wie Munchs "Schrei", gebogen wird, um ihn klimaklebergleich mit Tomatensuppe zu bewerfen - was aber dann doch nicht passiert. Doch so richtig wollen sich die guten Ansätze, die zwar Gedankenfutter hergeben, nicht zu einem stimmigen Ganzen fügen.