Am Tag, nachdem bekannt wurde, dass sich Schauspieler Florian Teichtmeister am 8. Februar wegen des Besitzes von 58.000 kinderpornografischen Dateien vor Gericht verantworten muss, fokussieren die heimischen Medien in ihrer Berichterstattung nicht zuletzt darauf, dass es seit längerem Gerüchte zur Causa in der Branche gegeben habe. Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer kündigte in diesem Zusammenhang eine detaillierte Prüfung an.

So referenziert die "Kronen Zeitung" auf eigene, frühe Berichte: "Bereits im Oktober 2021 berichtete die 'Krone', dass gegen einen preisgekrönten Schauspieler u.a. wegen Körperverletzung, Drogenmissbrauch und des Besitzes von Kinderpornos ermittelt wird."

Auch der "Kurier" schlägt in dieselbe Kerbe: "Schon lange kursierten Gerüchte um Teichtmeister, Konsequenzen gab es jedoch keine. [...] Die Frage, wie das Burgtheater, der ORF und die gesamte Kulturbranche auf die bisherigen Gerüchte um Teichtmeister hätte reagieren sollen oder können, wird erwartungsgemäß noch Thema sein und werden."

Und auch "Österreich" schreibt: "Die Spatzen pfiffen es schon seit mehr als einem Jahr von den Dächern, nun wird die Ekel-Affäre um einen heimischen Schauspielstar von seinen eigenen Anwälten und der Justiz bestätigt."

Kusej: Vowürfe "vehement bestritten"

Burgtheater-Direktor Martin Kusej sagte der Austria Presse Agentur, man habe Teichtmeister frühzeitig zur Rede gestellt, nachdem die Vorwürfe dem Burgtheater über Medienberichte im September 2021 bekannt wurden. Dieser habe die Vorwürfe aber "stets vehement bestritten". Arbeitsrechtliche Schritte wie eine Dienstfreistellung könne man als Arbeitgeber nicht auf Basis unbestätigter Gerüchte setzen, so Kusej.

Die Wiener FPÖ nutzte die Causa zu einem Rundumschlag. "Der Umgang mit der Causa Teichtmeister ist bezeichnend für die Doppelzüngigkeit und Verlogenheit der linken Kulturschickeria", betonten am Samstag in einer Aussendung Klubobmann Maximilian Krauss und Kultursprecher Stefan Berger: "Obwohl der Vorwurf des Besitzes von zigtausenden kinderpornografischen Dokumenten gegen den Schauspieler dem Vernehmen nach seit eineinhalb Jahren bei den Arbeitgebern Burgtheater und ORF bekannt gewesen sein soll, hat man einen Mantel des Schweigens über diesen Skandal gehüllt. [...] Abseits der strafrechtlichen Komponente gibt es eine moralische Verantwortung für die Mitwisser aus ORF und der Wiener Theaterlandschaft."

Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) kündigte indes am Samstag eine detaillierte Prüfung zu den Vorkommnissen an. "Das BMKÖS hat gestern umgehend die Bundestheater-Holding mit der Erstellung einer umfassenden Chronologie der Informationsflüsse im Konzern beauftragt, um sicherzustellen, ob hier auf allen Ebenen korrekt und mit der nötigen Sorgfalt gehandelt wurde. Diese Prozesse werden auch einer Prüfung durch einen externen Gutachter unterzogen." Sie selbst sei zutiefst erschüttert angesichts der Ermittlungsergebnisse und des anstehenden Strafverfahrens gegen Florian Teichtmeister. "Derartiges Verhalten hat in den Bundestheatern keinen Platz, genauso wenig wie in Kunst und Kultur allgemein sowie in allen anderen Gesellschaftsbereichen", so Mayer in einer Aussendung.

Karriere wohl zu Ende

Einig sind sich die meisten medialen Kommentatoren darin, dass mit Bekanntwerden der Affäre die Schauspielkarriere von Florian Teichtmeister ihr Ende gefunden hat. "Wie auch immer die Gerichtsverhandlung ausgeht, die steile Bühnen-, TV- und Filmkarriere des Wieners ist vorbei", prognostiziert die "Kronen Zeitung". "Bisher galt der Wiener Schauspieler Florian Teichtmeister als Publikumsliebling - mehr als 20 Jahre lang konnte man ihn auf Bühnen oder im Fernsehen sehen, nun wird sich vieles ändern", ist sich auch "Die Presse" sicher. Und in der "Kleinen Zeitung" macht Kulturchefin Ute Baumhackl in einem Kommentar in Richtung Florian Teichtmeister deutlich: "Tragbar ist er auf der Bühne nicht mehr. Detto im TV."

Nicht zuletzt sehen die Tageszeitungen massive Auswirkungen der Causa auf die Oscar-Chancen von Marie Kreutzers Sisi-Drama "Corsage". Hier hatte der zuständige Fachverband am Freitagabend gegenüber der APA betont, dass man das weitere Vorgehen über das Wochenende besprechen werde. "Die Chance, am 24. Jänner bei den Oscars unter die Top 5 der besten ausländischen Filme zu kommen, ist dahin", ist sich die "Kronen Zeitung" diesbezüglich bereits sicher. "Auch international droht ein Desaster. Die Sisi-Parabel 'Corsage' von Marie Kreutzer, die als Favorit auf der Shortlist für den Auslands-Oscar steht, ist damit so gut wie aus dem Rennen", bläst "Österreich" ins gleiche Horn.

"Die Anklage gegen Teichtmeister macht auch wohl die besten Chancen auf eine Oscar-Nominierung zunichte, die Österreich seit Langem hatte", gibt sich der "Kurier" noch etwas vorsichtiger. "Auch für den internationalen Höhenflug von Kreutzers Historiendrama 'Corsage', das es zuletzt auf die Shortliste von insgesamt fünfzehn Kandidaten in der Kategorie International Feature Film der Oscars schaffte, wird das Bekanntwerden der Causa wenig förderlich sein", zeigt sich auch "Der Standard" zurückhaltend. Konjunktivisch beurteilen auch die "Oberösterreichischen Nachrichten" die Lage: "Dass die Anklage von Teichtmeister eine Nominierung verhindern könnte, ist denkbar." (apa)