Mit den um neue Krisen und Kriege aktualisierten Überschreibungen von "Pension Europa 01" und "Die große Show" an einem Abend, damit allein ist schon eine mittlere Überforderung erreicht, ist doch jede der beiden punktgenau auf die Wunden der Zeit wie auf die Eiterpickel, die eigenen und die der anderen, pressenden musiktheatralen Performances dicht genug für einen eigenen Theaterabend. Doch gerade darum geht es: um die überbordende Allmacht der bitteren Banalitäten all der täglichen Peinlichkeiten, in denen die gleich zu Beginn zitierten "ordinary people" in ihren "Erinnerungsgefängnissen" tragikomisch waten.

Sind es im ersten Teil Brüste und Bäuche, Schamlippen und Muttermale, um deren gemeinsame Analyse sich so hochkomisch wie hochpolitisch die Klischeesalven des grandiosen Ensembles ergießen, konzentriert sich der zweite auf eine "alte" Schauspielerin, die gefeiert, letztlich aber kunstvoll bis zur Groteske demontiert wird. Verpackt in die für Martin Grubers Regie typischen, vordergründig leichtfüßigen pseudobiografischen Monologergüsse, geht es auch an diesem Doppelabend um nichts weniger als das Subjekt und all seine Unzulänglichkeiten. Die können mal körperlich, mal emotional, mal sozial, immer aber gesellschaftspolitisch aufgeladen sein. "Politische Körper" sind sie alle, die hier um persönliche Anerkennung ringen. Ob das dann ein blutig endender Fight auf der Bühne ist oder das zuckend gurrende narzisstische Ringen um die Gunst des Publikums: auch egal. Die Show geht weiter.