"Ein Kind", der letzte Band von Thomas Bernhards autobiografischer Reihe, erschienen 1982, erzählt von seiner Kindheit und Jugend. Der Roman lässt erahnen, wie insbesondere die Überzeugungen des Großvaters und die Überforderung und Zurückweisung der Mutter Bernhards Entwicklung und literarisches Werk prägten.

In Gerald Maria Bauers gleichnamiger Inszenierung für das Theater der Jugend in der Spielstätte Theater im Zentrum nimmt sich ein fünfköpfiges quirliges Ensemble über zweieinhalb Stunden dieses Stoffes an. Im sterilen, grell erleuchteten Kellerraum gehen Türen zu Bernhards Vergangenheit auf. Von der versuchten Flucht auf dem Waffenrad bis hin zur ersten Lehrstelle bei einem Greißler stellen Jasper Engelhardt und Valentin Späth die Alter Egos des Schriftstellers dar. Engelhardt verkörpert etwas übereifrig den jungen Bernhard, Späth versucht als erwachsener Autor dem so begabten wie unangepassten Kind beizustehen.

Der kauzige Großvater (David Fuchs) mit seiner weltabgewandten Haltung sorgt für Lacher. Wild gestikulierend wettert er über die Institution Schule, wo sich überhaupt die Dummheit und Widerwärtigkeit der Welt abbilden - zum Amüsement des Publikums.

Trotz der drastisch unterschiedlichen Bedingungen einer Jugend der Kriegs- und Nachkriegszeit finden sich wohl viele junge Menschen heute in der lebenshungrigen Figur des jungen Bernhards wieder. Die Bernhardschen Schachtelsätze verwandeln sich in verständliche Figurenrede, ohne dabei jedoch an Schärfe und Eleganz einzubüßen.