Saskia Hölbling fordert ihr Publikum. Also einfach nur in ihre Performance reinzusetzen und das zu Sehende wirken zu lassen, ist der Wiener Choreografin immer schon zu wenig gewesen. In ihrem aktuellen Stück "Inhabit The Impossible", das am Dienstag im WUK Premiere hatte, geht sie noch einen Schritt weiter als üblich, da ist zuhören und mitdenken bis zum Schluss notwendig. Und zwar 120 Minuten lang.

Seit dem Frühjahr 2021 arbeitete die Choreografin mit unterschiedlichen Personen zusammen und Seite an Seite mit dem Philosophen Arno Böhler, um die Möglichkeiten des Unmöglichen zu erforschen. Gemeinsam mit den Performern Ardan Hussain und Leonie Wahl, der Medienkünstlerin Evi Jägle, der Quantenphysikerin Tanja Traxler, dem Videokünstler Kay Walkowiak sowie dem Musiker und Komponisten Heinz Ditsch ist ein opulentes, transdisziplinäres Werk gelungen, das alle Sinne fordert: Da gibt es auf Hölblings Bewegungsrepertoire basierende Bewegungsszenen in allen möglichen Formationen verteilt im ganzen Raum mit aussagekräftigen Requisiten, abgelöst von Videoprojektionen auf drei Leinwänden und unzähligen Textfragmenten. Erklärungen von Böhler und Jägler verdeutlichen das performative und philosophische Konzept des Raums und der Zeit. Es trifft Vergangenheit auf Zukunft, Gott Chronos auf Umweltverschmutzung. Und Adonis furzt. Sehenswert!