In Österreich sind sie ein unbeschriebenes Blatt, im Vereinigten Königreich ein klingender Name: Spymonkey, ein internationaler Künstlertrupp mit Sitz in Brighton, entwickelt seit mehr als 20 Jahren Abende mit Schwerpunkt auf körperbetonte Komödiantik. Nun arbeitet die Gruppe erstmals an einem Opernhaus: Lotte de Beer, Chefin am Währinger Gürtel, hat Spymonkey eingeladen, Jacques Offenbachs "Orpheus in der Unterwelt" an der Volksoper neu zu inszenieren; Premiere ist am Samstag.

Wie waren die Proben in der ungewohnten Umgebung? "Die Kombination von Musik und Komödiantik war für uns nicht neu", sagt Toby Park, der gemeinsam mit dem spanischen Spymonkey-Mitglied Aitor Basauri Regie führt. Die Arbeit an einem Opernhaus sei dafür eine "aufregende Herausforderung" gewesen und habe der Künstlergruppe auch einen üppigen Superlativ hinsichtlich der Arbeitsbedingungen beschert. "Die Produktion, ausgestattet mit Chor, Orchester, Ballett und Ensemble, ist das Aufwendigste und Albernste, was wir seit langer Zeit gemacht haben", sagt Park augenzwinkernd. Basauri ergänzt: "In England kann man normalerweise nicht mit großer Besetzung Komödie machen, weil die Kosten dadurch zu hoch werden. Das Teuerste sind die Menschen."

"Snobistische" Vorwürfe

Aitor Basauri. 
- © Matilda Termperley

Aitor Basauri.

- © Matilda Termperley

Apropos Herkunftsland: Die Volksoper wird Offenbachs Mythos-Parodie auf Deutsch zeigen. Wie viel verstehen der Engländer Park und der Spanier Basauri von der eigenen Inszenierung? "Meine Frau ist Deutsche, ich spreche die Sprache", sagt Park, "außerdem hatten wir Hilfe von Kollegen." Der Abend, erzählt er, wird die deutsche Übersetzung von Ludwig Kalisch benutzen, die schon Nestroy verwendet hat. Spymonkey haben dieses ältliche Textbuch freilich adaptiert und um einen Anfang ergänzt, der auf die historischen Wien-Verbindungen Offenbachs anspielt. Der Franzose war hier in den 1860er Jahren zu Gast, seine Musik damals in der Stadt stark präsent. Park: "Offenbach kommt bei uns für eine Nacht nach Wien zurück und sagt: ‚Schön, wieder hier zu sein.‘ Eines ärgert ihn aber: Dass er keine Statue von sich findet. Johann Strauß hat ein Denkmal, Mozart auch. Wo ist seine nur?"

Toby Park. 
- © Matilda Termperley

Toby Park.

- © Matilda Termperley

Basauri und Park würden Offenbach ein solches Monument nicht verwehren und halten seinen "Orpheus" weitgehend für einen Wurf. Der Vorwurf gegen die vermeintlich fade, schablonenhafte Musik sei snobistisch, sagt Park, das Textbuch besitze hohe Qualität: "Es ist ein fantastisches Libretto, das mit komödiantischen Motoren arbeitet. Fabelhaft, wie es Jupiter gegen Hans Styx setzt. Schwierig waren für uns nur zwei heitere Musiknummern, die wir dümmlich fanden. Aber ich denke, wir haben sie zum Funktionieren gebracht."

Versteht sich, dass der Komikertrupp, der unter anderem die Marx Brothers und Buster Keaton als Vorbilder nennt, auch diesmal stark auf körperliche Komik setzt. Die wird sich, verrät Park, unter anderem in einer Spezialfassung von Offenbachs Cancan offenbaren, geschrieben für 19 Polizeipfeifen und ebenso viele Wachmänner, die einander prügeln.

Wie schwierig war dieses Arbeiten mit dem - naturgemäß eher gesangsorientierten - Ensemble der Volksoper? "Sie waren sehr offen für neue Wege", sagt Park nach Probenwochen, die nicht ganz unanstrengend gewesen seien. "Damit etwas mühelos aussieht, muss man aber wirklich hart arbeiten." Wichtig ist ihm auch: "Das Motto ist nicht einfach: Wir spielen lustig. Wir haben das Ensemble motiviert, das Schauspielern sehr ernst zu nehmen."

Wie ist das Arbeitsklima eigentlich derzeit in England? Machen der Brexit, die Inflation und die gedrosselten Subventionen der Regierung Künstlern das Leben schwer? Park: "Für alle im Land sind die Probleme massiv, nicht nur für uns." Spymonkey produzieren für das Jahresende eine Show in North Hampton, es sei schwer, das Geld aufzutreiben. Doch Park bleibt hoffnungsfroh: "Die Show wird kommen, wir sind so etwas gewohnt." Dafür ärgert ihn die Politik: "Großbritannien hat - mit Musik, Film, TV, Tanz - einen starken kulturellen Export, renommiert in aller Welt. Es ist frustrierend, wenn das eine Regierung nicht anerkennt."