"Wir werden von unserem Schmerz definiert", heißt es an einer Stelle der multimedialen Musikperformance "52 Jokers", die derzeit im V*T/Volx zu sehen ist.

Der Schmerz ist der Protagonistin, der US-amerikanischen Underground-Ikone Anne Bandez, auf den Körper geschrieben. Im schwarzen Sommerkleid, zappelnd, schwankend und immer kurz vor dem Fall füllt "Little Annie" den dunklen Bühnenraum mit ihrer körperlichen wie stimmlichen Präsenz - und ihren Geschichten. Sie erzählt und singt über drei Lebenslieben, die, so unterschiedlich sie begannen und endeten, immer eines waren: begleitet von Faszination und Abhängigkeit, Begehren und Schmerz.

Die Lieben "kommen und gehen", und so tun es auch die Abgründe, über denen "Annie" auf ihrer Schaukel schwingt. Die "Joker" in diesem Pokerspiel, das Leben heißt, das sind die immer wieder aus den Tiefen der Depression gezauberten Lebensretter. Begleitet wird Bandez von ihrem musikalischen Langzeitpartner Paul Wallfisch an Klavier und Keyboard und der Thereministin Pamelia Stickney sowie vom finnischen Sideshow-Star Evilyn Frantic.

Während "Annie" schonungslos tief in die Schmerzensräume ihres eigenen Körpers eintaucht, fügt sich Frantic live wie auch im Video von Regisseurin Beth B körperliche Verletzung zu, die den erzählten und besungenen Schmerzen physische Entsprechungen liefern, die gleichermaßen hart unter die Haut gehen.

"52 Jokers" ist ein raues, holprig schönes Songbook über die "Last der Liebe" und den Mut zum Weitermachen, auch wenn das Herz täglich bricht.