Natürlich bedarf es strenger Spielregeln, damit sich die leidenschaftliche Affäre einer Nacht zur Jahrzehnte überdauernden Lebensliebe entwickeln kann. Denn Doris und George sind auf ihre Weise treu - sowohl einander als auch ihren Ehepartnern, die nichts von der Liaison erfahren dürfen. Also beschließt man, jedes Jahr ein Wiedersehen am Ort der ersten Begegnung, einem Strandhotel in Kalifornien, fix einzuplanen (Bühne: Rolf Langenfass).

Als wäre es selbstverständlich, erörtert man bei diesen sehnsüchtig erwarteten Treffen auch Familienprobleme, bewundert Fotos der heranwachsenden Kinder und muss die irrwitzigsten Situationen bewältigen: Als etwa bei der hochschwangeren Doris die Wehen einsetzen und kein Arzt aufzutreiben ist, besteht der ratlose George, obwohl er kein Blut sehen kann, schließlich doch seine Feuerprobe als Geburtshelfer. Der von Jahr zu Jahr wachsenden Vertrautheit des Paares tut es keinen Abbruch, dass die beiden im Lauf der Zeit in Grundsatzfragen verschiedene Positionen vertreten.

Sona MacDonald als Doris gestaltet in Auftreten und Aufmachung überzeugend die verschiedenen Lebensphasen einer allzu früh in einer durchschnittlichen Muss-Ehe gelandeten Frau, die in überdreht komischen und berührend ernsthaften Situationen zu innerem und äußerem Selbstbewusstsein findet. Um sich vor dem Geliebten nicht zu blamieren, holt sie die Matura nach, schockiert ihn als spät berufene Studentin mit Protest-Outfit und revolutionärem Polit-Jargon, um ihm schließlich als elegante, erfolgreiche Business-Lady gegenüberzutreten. Einer solchen Partnerin gegenüber hat es Rainhard Fendrich als George nicht leicht. Doch er behauptet sich mit Anstand, Charme und Temperament in der Rolle des verantwortungsbewussten Familienvaters und leidenschaftlichen, dabei aber von Schuldgefühlen und allerhand Verlust-ängsten geplagten Lovers, dem es trotz bester Voraussetzungen und vielfältiger Begabung auch im Berufsleben an der nötigen Konsequenz fehlt.

Der Song, mit dem er seine Langzeitfreundin zum "silbernen" Beziehungsjubiläum überrascht, bringt es auf den Punkt: "Wie Tag und Nacht" sind sie, und gerade darum untrennbar zusammengehörig.

Ein Happyend? Schwer zu sagen. Auf alle Fälle aber ein rundum geglückter Theaterabend, der mit stürmischem, lang anhaltendem Applaus ausklang.

Nächstes Jahr, gleiche Zeit

Von Bernard Slade

Herbert Föttinger (Regie)

Mit: Sona MacDonald und Rainhard Fendrich

Kammerspiele

Tel. 01/42 700 - 300

Wh.: 28.Februar, 1., 7. März