• vom 29.11.2005, 12:37 Uhr

Bühne


Am Samstag wurden die "Nestroy"-Theaterpreise in einer "Oscar"-ähnlichen Gala im Volkstheater vergeben

Es regnete elf Preise




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Von Petra Rathmanner

  • Überraschung des Abends: Zwei Preise für Off-Produktion "Hunt" im Hausruck.
  • Wien. Herzerfrischend respektlos war an diesem Abend nur Erni Mangold. Die 78-Jährige sagte: "Das wäre gemein gewesen, wenn ich ihn nicht bekommen hätte. Schließlich habe ich mich extra so fesch hergerichtet." Die Grande Dame des Volkstheaters wurde mit dem Nestroy für die "Beste Nebenrolle" in Jelineks "Prinzessinnendramen" prämiiert.

Ein Hoch auf die Preisträger! Vorne: Sunnyi Melles, Michael Heltau, Erni Mangold, Michael Maertens, hinten: Markus Hinterhäuser stellvertretend für Marthaler und das "Hunt"-Team: Nagl, Franzobel und Schmiedleitner. apa

Ein Hoch auf die Preisträger! Vorne: Sunnyi Melles, Michael Heltau, Erni Mangold, Michael Maertens, hinten: Markus Hinterhäuser stellvertretend für Marthaler und das "Hunt"-Team: Nagl, Franzobel und Schmiedleitner. apa Ein Hoch auf die Preisträger! Vorne: Sunnyi Melles, Michael Heltau, Erni Mangold, Michael Maertens, hinten: Markus Hinterhäuser stellvertretend für Marthaler und das "Hunt"-Team: Nagl, Franzobel und Schmiedleitner. apa

Humor bewies auch Michael Maertens: "Jetzt hab ich ihn endlich, jetzt hab ich ihn aber nicht alleine", bedauerte der bereits mehrmals nominierte Schauspieler, dass er nun die Auszeichnung als "Bester Schauspieler" mit Nicholas Ofczarek teilen musste. Auch bezog er den ebenfalls nominierten Tobias Moretti, seinen Bühnen-Partner in Ottokar, mit ein: "Das ist aber auch gemein für Tobias, da hätte man gleich drei machen können!"


Unerwartet ehrfürchtig führte sich hingegen Sunnyi Melles vor dem Mikrophon auf: Sie kämpfte mit den Tränen und widmete den Preis ihrer verstorbenen Mutter: "Das ist für dich, Mama!" Ausgezeichnet wurde die Luxemburgerin als "Beste Schauspielerin".

Pathos und Tränen

Von rührseligem Pathos bis zu lässigen Sprüchen, von Tränen bis zu siegessicheren Gesten - all das findet man bei der alljährlichen "Nestroy"-Gala, die heuer im Volkstheater stattfand und zeitversetzt im ORF übertragen wurde.

Was der "Oscar" für die Filmbranche ist, will der "Nestroy", der bereits zum sechsten Mal verliehen wurde, für die Wiener Theaterwelt sein.

Eine Jury, bestehend aus Kulturjournalisten, vergibt einige Preise selber und nominiert die übrigen Kandidaten. Die Auswahl trifft dann die "Nestroy-Preis-Akademie", zu der alle Besitzer der Kainz-Medaille, die Träger des Nestroy-Ringes, Vertreter des Bühnenvereins sowie sämtliche Nominierte bisheriger Nestroy-Verleihungen eingeladen sind.

Mit Witz und Esprit führten Direktor Michael Schottenberg und seine Frau Maria Bill durch die mehr als zweistündige Veranstaltung, die dennoch einige Längen aufwies.

Die Überraschung des Abends waren die beiden Preise für Franzobels Polit-Farce "Hunt oder der totale Februar". Uraufgeführt wurde das Stück über die Februarkämpfe im Jahr 1934 von einer kleinen Theaterinitiative im oberösterreichischen Hausruck, die dafür den Spezialpreis erhielt, und der Autor wurde mit einem Preis für das Stück geehrt.

In seiner Dankesrede sorgte der Dramatiker für den einzigen politischen Akzent des Gala-Abends: "Solange in Österreich Menschen von Notärzten und Sanitätern zu Tode getrampelt werden, solange Asylbewerber erstickt werden, dürfen wir nicht glauben, dass unsere Gesellschaft so glamourös und witzig ist, wie sie sich heute Abend vielleicht darstellt."

Der übrige Preisregen: ORF-Mittänzer und Ensemblemitglied im "Theater der Jugend", Stefano Bernadin, freute sich über seinen Nachwuchs-Preis. Für die "Beste Ausstattung" wurde die Serapionstheater-Produktion "Xenos" gerühmt. Der Preis in der Kategorie Regie ging an den Schweizer Christoph Marthaler für seine Wiener Festwochen-Produktion "Schutz vor der Zukunft".

Zur "Besten deutschsprachige Aufführung" wurde Andreas Kriegenburgs Münchner "Nibelungen"-Inszenierung gewählt. Den "Off"-Preis erhielt das "Theater Rabenhof" im Erdberger Gemeindebau. Für das Lebenswerk wurde der 72-jährige Chansonnier, Entertainer und Burgtheater-Doyen Michael Heltau ausgezeichnet: "Lebenswerk? Ich sage lieber Lebensarbeit."

Beim anschließenden Fest im Wiener Rathaus konnten sich fast alle Theater- und Festivalleiter freuen, so gleichmäßig wurden die Preise verteilt. Leer ging diesmal nur das Theater in der Josefstadt aus.



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2005-11-29 12:37:43
Letzte Änderung am 2005-11-29 12:37:00

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