Verjagte manchen Besucher: Schrille Henze-Posse im Stadttheater. Stefan Zoltan
Verjagte manchen Besucher: Schrille Henze-Posse im Stadttheater. Stefan Zoltan

Wenn jene Theaterbesucher, die das Haus in der Pause verlassen haben, den Anlass für ihre Flucht im Bühnenbild von Christof Cremer gesucht haben sollten, waren sie im Recht: Es zeigt unverkennbar den Stadtplan von Klagenfurt.

Freilich wäre es ungerecht, nur den Bewohnern dieser Stadt vorzuwerfen, sie fielen auf einen sich exzentrisch gebenden Fremden herein, wenn er genügend Geld besitzt. Die Inszenierung von Leonard C. Prinsloo betont ohnehin eher das Zeitlose der Handlung, zu der Christof Cremer herrlich überzeichnete Kostüme aus der Zeit um 1830 geschaffen hat.

Schrille Bilder

Als solcher ungenannt betätigt sich Prinsloo auch als Choreograph. Der Komponist hätte sicher seine Freude daran, wie seine gewiss oftmals schrillen, in den Liebesgesängen einfühlsam melodischen, von pointierten Zitaten aus der Musikgeschichte durchwobenen Klänge auch ihre optische Umsetzung finden.

Für die akustische sorgt Dirigent Peter Keuschnig mit dem zu ungeahnter Qualität fähigen Kärntner Sinfonieorchester und den sich allesamt als Glücksfälle erweisenden 17 Solisten, aus denen Kwang Il Kim als Sekretär, Alexander Kaimbacher als Lord Barrat/Affe Adam, Cornelia Wulkopf als Baronin Grünwiesel und Nina Bernsteiner als Luise herausragen. Alexander Kowalsky und Karin Krassnitzer haben ihre Chorscharen derart gewissenhaft präpariert, dass sich deren Leistung aufs Schönste ins Gesamtkonzept fügen.

Was Wer Wo Wie

Der junge Lord (Hans Werner Henze, 1965)

Leonard C. Prinsloo (Regie)

Peter Keuschnig (Dirigat)

Alexander Kaimbacher, Cornelia Wulkopf

Wh.: 29. Okt., 9. Nov.

Stadttheater Klagenfurt

0 46 3/540 64

Mustergültig modern.