Seit Neil Simons "Sunshine Boys" 1972 am Broadway auftauchten, strahlen sie als Fixsterne am Theaterhimmel: Zwei gealterten Komikern, einst ein bestens eingespieltes Erfolgsduo im Showbiz, im Privatleben jedoch innigst verfeindet, winkt die Chance eines späten Comebacks. Allerdings unter der Bedingung eines gemeinsamen Auftritts, womit die (Bühnen)-Konflikte zum Gaudium des Publikums auch schon vorprogrammiert sind.

Dass diese im Grunde tragikomische Beziehungsgeschichte zweier auf Gedeih und Verderb zusammengeschmiedeter Komödianten für Ignaz Kirchner und Gert Voss geradezu maßgeschneidert ist, muss wohl nicht eigens betont werden. Einmal mehr tritt das bewährte Erfolgsduo des Burgtheaters zum lustvollen schauspielerischen Konkurrenzkampf an, und einmal mehr lautet das Resultat: Unentschieden. Auf einen distanziert beobachtenden Regisseur wurde verzichtet, Gert Voss brilliert nicht nur als Willi Krak, sondern zeichnet überdies auch für die drastisch-komödiantische Inszenierung der vom amerikanischen ins deutschsprachige Theater transponierten Bearbeitung (Textfassung: Ursula und Gert Voss) im praktikablen Bühnenbild von Katrin Brack verantwortlich.

Mit Voss als Willi Krak und Kirchner als Heinz Stein geraten zwei Persönlichkeiten aneinander, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Beide Altstars haben die Erfahrung gemacht, dass sie nach Beendigung ihrer jahrzehntelangen Bühnenpartnerschaft einzeln kaum mehr gefragt sind und bestenfalls noch zu (zumeist folgenlosen) Castings für Werbespots geholt werden. Und beide leiden naturgemäß an diversen Altersbeschwerden, die sie vergeblich zu kaschieren bemüht sind.

Ignaz Kirchners Heinz, der bei seiner Tochter untergeschlüpft ist, wahrt mit Pedanterie die äußere Fassade: Kerzengerade Haltung, tadellos sitzender dunkler Anzug, schlohweißes Toupet.

Ganz anders Gert Voss als Willi Krak, der sich in einer Billig-Bleibe verbarrikadiert und von seinem - für ihn auch als Agent tätigen - Neffen (Hans Dieter Knebel) versorgt wird: Schlampige Künstlermähne, ungepflegter Schnauzbart, vernachlässigte Kleidung, aber trotz mühsam überspielter Gedächtnislücken jeder Zoll ein zu Unrecht ins Out gedrängtes Genie. Dem Neffen obliegt es, den beiden Kampfhähnen mit Aufwendung aller erdenkbaren Diplomatie das attraktive Angebot schmackhaft zu machen, in einer historischen Retrospektive im Fernsehen noch einmal zusammen in ihrem unvergessenen Doktor-Sketch aufzutreten.

Die erste Wiederbegegnung bei Willi steht unter keinem guten Stern. Angewidert entfaltet Heinz Stein ein frischgebügeltes Taschentuch und legt es, ehe er Platz nimmt, auf die ihm angebotene Sitzgelegenheit. Immerhin kommt es nach mancherlei Sticheleien zum Waffenstillstand, sodass dem Vertrag schließlich nichts mehr im Wege steht.

Die Probe im TV-Studio kann also stattfinden: Zwei schamlos outrierende, grotesk geschminkte und aufgedonnerte Komiker-Fossile - Voss als einherstolzierender Doktor, Kirchner als Patient - bemühen sich nach Kräften, einander die Show zu stehlen, bis Willi schließlich mit einem Herzkollaps zusammenbricht - ein schnell abzutransportierender Störfaktor in der gnadenlosen Unterhaltungsindustrie. Im fragwürdigen Happyend an Willis Krankenbett stellt sich zur Überraschung der beiden Intimfeinde heraus, dass sie auch in Zukunft nicht voneinander erlöst sein werden, sondern ihren Lebensabend in einer "Senioren-Residenz für ehemalige Bühnen-Angehörige" verbringen müssen ...

Alles in allem: Ein reizvoller, an subtilen Details reicher, von schauspielerischer Virtuosität getragener, gnadenlos komischer, enthusiastisch bejubelter Theaterabend. Dass die Geschichte wohl auch nachdenklich stimmen sollte, kam nicht so recht zum Ausdruck.