Wagemutig war's allemal. Lässt sich doch beim besten Willen keine schlüssige Antwort auf die Frage finden, warum man ausgerechnet im Burgtheater eine naiv-sentimentale Komödie aus den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf den Spielplan setzt. Nimmt man aber in Kauf, dass Burgschauspieler eben keine Operetten-Stars sind (und dies auch ganz offen zur Schau stellen), dann kann man sich bei diesem Ausflug ins anspruchslose Unterhaltungstheater zwei Stunden hindurch recht gut wohl amüsieren. Sofern man bereit ist, die kritische Sonde beiseite zu legen.

Mit "Feuerwerk" (1950) hat der Schweizer Komponist Paul Burkhard (1911 bis 1977), der sowohl im ernsten als auch im heiteren Genre Anerkennung suchte, nach einigen mühsamen Anläufen relativ spät einen Welterfolg erzielt. Übrigens seinen einzigen. Ausgangsbasis für den alsbald mit Lilli Palmer verfilmten Bühnen-Hit war "Der schwarze Hecht", ein biederes, wenig beachtetes musikalisches Lustspiel, dem erst der aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrte Erik Charell die endgültige Form und den zugkräftigen Titel verlieh. Charells Bearbeitung ließ die Erinnerung an die große Zeit der Ausstattungsrevuen und Revueoperetten noch einmal lebendig werden, die er im Berlin der zwanziger Jahre entscheidend mitgestaltet hatte.

Trotzdem merkt man es der banalen, nur mit kargen Pointen aufgepeppten Geschichte an, dass da von verschiedenen Seiten allzu viel daran herumgebastelt wurde. Und auch die neue Einrichtung des Burgtheaters - Text: Michael Wallner, Musik: Marc Schubring - macht die Sache nicht viel besser. Die Story ist schnell erzählt: Ein unerwarteter Gratulant bringt die Geburtstagsfeier einer stockbürgerlichen Familie durcheinander. Der Störenfried ist der vor vielen Jahren durchgegangene, seither totgeschwiegene Bruder des Jubilars, der es mittlerweile zum Zirkusdirektor gebracht hat. Das brave Töchterlein verfällt prompt den Lockungen der abenteuerlichen Glitzerwelt und träumt von einer Karriere als Artistin, bescheidet sich jedoch zuguterletzt für das gesicherte kleine Glück am heimischen Herd. Aber im Grunde ist das alles ja nur kulinarisch zu inszenierende Staffage für die beiden bis heute unvergessenen Schlager "Oh mein Papa . . ." und "Ich hab ein kleines, süßes Pony . . ."

In Michael Wallners Inszenierung, die eher den handfesten Familienschwank als den Glamour des Zirkusmilieus in den Vordergrund rückt, ist es kein Wunder, dass Anna (Mareike Sedl) aus dem familiären Schrebergarten mit seinen Gartenzwergen (Bühne: László Varvasovszky) ausbrechen möchte. Die betuliche Mutter (Sylvia Lukan), der ein Gärtner (Denis Petkovic) als zukünftiger Schwiegersohn zu minder ist, und der "Jubelgreis" von 60-jährigem Vater (Florentin Groll) wären ja noch erträglich, aber dann stellen sich nacheinander die umwerfend karikierten Onkeln und Tanten zum Festschmaus ein: Ulli Fessl und Hermann Scheidleder als uriges Paar vom Land, Bernd Birkhahn und Elisabeth Augustin als Repräsentanten der feinen Leute, die, obwohl bereits in Scheidung lebend, vor der Familie immer noch die Maske des Eheglücks wahren, und Maresa Hörbiger als griesgrämig-weißhaariger Hausdrachen, der seinen kränkelnden, stets hüstelnden Gatten nicht aus den Augen lässt. Peter Matic verleiht diesem Onkel Gustav, der sich am Ende lieber beim Zirkus als Clown verdingt, statt daheim weiterhin den Hanswurst zu spielen, neben trauriger Komik auch einen Hauch stiller Poesie. Deftige Komik steuert hingegen Dunja Sowinetz als superblonde Wiener Vorstadtwirtin bei, deren gefülltes Gansl an diesem chaotischen Abend im Bratrohr verschmort.

Robert Meyer als Zirkusdirektor von heute erscheint nicht in Frack und Zylinder, sondern knattert wie ein Rock-Star in der Midlife-Crisis in schwarzer Lederkluft auf einem Motorrad daher, auf dem Soziussitz seine alsbald von allen Männern umschwärmte Frau Iduna. Sabine Haupt - hautenge rote Lederdress, schwarzer Pagenkopf - bringt ihre beiden Chansons immerhin mit Anstand über die Bühne, beeindruckt aber vor allem in der Zirkus-Traumszene mit einer professionellen Trapeznummer.

Die gleichfalls höchst professionelle musikalische Leitung lag in den Händen von Anton Gisler, aber wie gesagt: Burgschauspieler sind keine Operettensänger. Sie machen jedoch das Beste daraus, wenn sie zum Beispiel den vielstimmigen Geburtstagschor so herzzerreißend zu Gehör bringen, wie es bei Familienfeiern wohl die Regel ist. Und wenn sich schließlich alles in Wohlgefallen aufgelöst hat und die Zirkusleute das Weite gesucht haben, kann endlich das durch die ungebetenen Gäste und einen Gewitterregen verzögerte Feuerwerk in aller Pracht aufleuchten.