Prospekte und Maschinen hat Ezio Toffolutti wahrlich nicht geschont, um Nestroys irrwitziges Verwechslungsspiel vom biederen Färber Kilian Blau und dessen draufgängerischem Zwillingsbruder Hermann vor einem wildromantischen Gebirgspanorama anzusiedeln. In diesem Ambiente ironisieren grell geschminkte Alpendodeln im Trachtenlook zur (stilistische Vielfalt zitierenden) Musik von Otmar Klein einerseits Musikantenstadl-Folklore und Operettensentimentalität, dürfen aber auch rockig-zeitgeistig herumtoben. Gegen diesen gigantomanischen Ausstattungsluxus müssen die Darsteller unter der Regie von Karlheinz Hackl mit überzogener Drastik ankämpfen, um ihrerseits überhaupt punkten zu können. Methode hat die Sache allemal: Dem verblichenen (Dichter)-"Papa" erweisen seine Sprösslinge im zweiten Akt Respekt mit einem winzig kleinen, streng blickenden (Nestroy)-Porträt.

Bei der Uraufführung der, wie so manche Nestroy-Werke, nach einer französischen Opéra-comique-Vorlage entstandenen Posse (1840) konnte der Schauspieler-Autor in der Doppelrolle der nur äußerlich einander bis aufs Haar gleichenden Zwillingsbrüder einen durchschlagenden Erfolg verbuchen. Nun zieht Nicholas Ofczarek in der begehrten Virtuosenpartie erwartungsgemäß alle Register einer Persönlichkeitsspaltung, die weit mehr als nur situationskomische Facetten in sich birgt, sondern Komplementärbilder eines einzigen Charakters aufdeckt. Kein Wunder, dass der kreuzbrave Handwerksmeister Kilian seinem selbstbewussten, von Kindheit an vom Glück begünstigten Bruder nach Tunlichkeit aus dem Weg gehen möchte.

Doch das Schicksal schlägt Kapriolen. Kilian, der geradezu krankhaft schüchterne Liebhaber, der sich erst beim Eintreffen der Hochzeitsgäste mit dem Heiratsantrag an seine insgeheim längst Angebetete heranwagt, findet sich mit einem Mal nolens volens als Stellvertreter seines Bruders wieder. Als Uniformträger mutet er gerade durch seine tapsige Naivität zum Helden wider Willen, der den schneidigen Sergeanten und berüchtigten Frauenhelden aus militärischen und zwischenmenschlichen Kalamitäten errettet. Seine lebenstüchtige Roserl, deren Ton Birgit Minichmayr bestens trifft, steht ihm dabei tapfer zur Seite - bei Nestroy noch als Marketenderin getarnt, auf der Burgtheaterbühne von heute jedoch als Jungsoldat, dem der hyperelegante Präsident (Peter Matic) allzu deutliches Wohlgefallen signalisiert.

Als düsterer Herr von Löwenschlucht begehrt Franz J. Csencsits in "stoasteirischem" Fantasiejargon blutige Rache für die Ehre seiner von Hermann verführten Schwester (Mares Hörbiger), als deren glückloser Langzeitverehrer Robert Meyer mephistophelisch outriert, was das Zeug nur hält und überdies für zart-kritische Couplet-Strophen zur aktuellen Politik belacht und beklatscht wurde.