In seinem launigen Symposion des jüdischen Humors im Rabenhof geht Gerhard Bronner der Frage nach, "wieso ausgerechnet ein Volk, das in den Jahrtausenden seiner Geschichte so wenig zu lachen

hatte, trotzdem in der Lage war, so viel Humor zu produzieren". Er selbst schlägt einige kluge Antworten darauf vor, aber natürlich hält er keinen wissenschaftlichen Vortrag, sondern ein kleines

Seminar über die Vielfalt des jüdischen Witzes anhand ausgewählter Beispiele. Im Mittelpunkt stehen daher nicht trockene Analysen, sondern konkrete Kostproben, die von Bronner in bestimmte

Themenblöcke gegliedert werden: Mezie, Sparsamkeit, Geiz, Rabbi, Gojim, Frau Pollak, Schnorrer, Schtetl-Idylle u. a. Und natürlich setzt sich Bronner zwischendurch immer wieder ans Klavier und streut

ein paar Lieder ein · darunter neben eigenen Kompositionen auch einen Juwel wie Hermann Leopoldis "Soiree bei Tannenbaum", nach einem Zungenbrecher-Text von Löhner-Beda.

Wie immer, wenn es sich um kulturelle Leistungen der europäischen Juden handelt, kommt dabei auch Wehmut auf, wird doch eine untergegangene Welt heraufbeschworen. Und wenn man noch die derzeitige

Stimmung in Österreich hinzu nimmt · wachsende antisemitische und rassistische Tendenzen etwa ·, dann beginnt man zu verstehen, wieso Gerhard Bronner seinem Programm den Titel "Tränen gelacht!"

gegeben hat. Und wenn man das begriffen hat, dann ist man dem Wesen des jüdischen Humors schon sehr nahe gekommen.

Auch ein Überraschungsgast ist dabei: Ein leidenschaftlich-melancholisch aufgeigender "Fiddler On The Roof" namens Aljoscha, ein "jidl mit der fidl" wie aus der Wunderwelt der osteuropäischen Schtetl-

Kultur.