In der Geschichte vom charismatischen Fliegergeneral Harras, der sich in den Dienst der Nazis stellt, obwohl er nicht an deren Sache glaubt, thematisierte Carl Zuckmayer die Frage von Mitschuld

und Verantwortung, aber auch das Problem des Widerstands.

Harras ist eine schillernde Figur: Ein großartiger Flieger, ein den Genüssen des Lebens gegenüber aufgeschlossener Mann, ein Gesellschaftslöwe und Freund der Frauen. Er, der als Held und Symbol dafür

verehrt wird, daß man dem Regime dienen kann, ohne sich die Hände schmutzig zu machen, muß schließlich erkennen, daß diese Position nicht zu rechtfertigen ist und wählt einen im Sinne militärischer

Tradition "ehrenvollen" Tod, indem er spektakulär aus dem Leben scheidet. Damit ermöglicht er, daß sein engster Mitarbeiter Oderbruch (Eugen Stark) seine Sabotagetätigkeit fortsetzen kann, zugleich

aber liefert sein Abgang den Nazis einen für die Propaganda gut zu instrumentalisierenden Anlaß: Er erhält ein Staatsbegräbnis. Der moralischen Fragwürdigkeit seiner persönlichen Konfliktlösung ist

sich Harras aber ohnehin voll bewußt: "Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat · der muß ihm auch Quartier in der Hölle machen."

Otto Schenk hat das Stück ganz im bühnenbewährten Zeitkolorit der frühen vierziger Jahre (Bühne und Kostüme Rolf Langenfass) inszeniert. Beim ausgelassenen Empfang, den Harras der Kampfstaffel Eilers

gibt, wird zackig schwadroniert, wie man es von unzähligen Lustspielen und Hollywood-Filmen her kennt. Friedrich Schwardtmann (Eilers), Robert Grass (Hastenteuffel) und Alexander Löffler (Hartmann)

sind die schneidig-korrekten "Preußen"; Anton Pointecker verkörpert den gemütlich-gefährlichen Bayern. Toni Slamas Kulturleiter ist ein Gesinnungsschnüffler übelster Sorte, und Ronald Kuste

(Lüttjohann) und Christian Pätzold (Korrianke) repräsentieren die anständig gebliebenen, loyalen Mitarbeiter des Generals. Von den Damen imponiert die von Gertraud Jesserer dargestellte Operettendiva

Geiß, Elke Winkens als "Pützchen" liefert leider nur die Karikatur einer zu äußerster Bösartigkeit fähigen jungen "deutschen" Frau.

Sieghardt Rupp in der Titelrolle bringt vieles mit, was diesen kraftvollen Typ ausmacht. Man nimmt ihm den erfolgreichen, von der Ausübung seines "Handwerks" beflügelten Offizier ab, auch den

gewandten Gesellschaftsmenschen und Charmeur. Unglaubwürdig und ziemlich unbeholfen wirkt er jedoch in den Liebesszenen mit Diddo (Maria Köstlinger). Dennoch viel Beifall für eine insgesamt

beachtliche Leistung.