Mit dieser Inszenierung des 1908 uraufgeführten Lustspiels "Das Konzert" von Hermann Bahr gelingt dem Theater in der Josefstadt ein fulminanter Auftakt in die Herbstsaison. Im Vorjahr hatte der

neue Direktor Helmuth Lohner mit Shaws "Haus Herzenstod" sein Publikum noch einigermaßen verprellt. Diesmal ging er bei der Stückwahl kein Risiko ein und setzte auf die traditionellen Stärken, für

die sein Haus bekannt ist: auf das gediegene Kammerspiel und auf den wienerischen Ton. Und in der Tat: Selten wurde in der letzten Zeit dieser Ton, der manchmal · man denke an diverse Schnitzler-

oder Hofmannsthal-Inszenierungen · aus unbegreiflichen Gründen schon fast verloren schien, so gut getroffen wie in dieser Produktion. Hermann Bahrs kritischer Rückblick in seiner Autobiographie · "an

unserer österreichischen Art zu sprechen können sich die Leute der ganzen Welt noch immer nicht satt hören, nur in Wien hat man dafür nicht mehr viel übrig" · trifft für diese Aufführung

glücklicherweise nicht mehr zu.

Zu verdanken ist dieser Erfolg nicht nur den geistvoll sprühenden Dialogen des Stücks, die aus diesem Lustspiel rund um einen verhinderten Seitensprung eine weise und anmutig berührende Komödie

machen, sondern auch der ganz und gar nicht gehetzt wirkenden Regie. Heinz Marecek hat nicht nur inszeniert, sondern zugleich als Darsteller des unkonventionellen, verständnisvollen, durch und durch

liberal eingestellten und menschenfreundlichen Dr. Franz Jura auch eine der vier tragenden Rollen übernommen. Komplettiert wird das Quartett der Hauptdarsteller durch Therese Lohner als Juras junge

Frau Delfina, deren in voller Naivität angegangenes und umständehalber nicht vollzogenes Liebesabenteuer ihr die Augen öffnet für die Vorzüge ihres Gatten, durch Karlheinz Hackl als von den Frauen

umschwärmter Klaviervirtuose Gustav Heink, dem mit seiner Frau Marie (Marianne Nentwich) eine zwar unaufdringliche, aber umso stärkere, lebenskluge Partnerin zur Seite steht.

Zwei Ehepaare finden sich, aufgrund der geschickten Regie der beiden angeblich "betrogenen" Partner, in eine sehr heikle Konstellation verstrickt. Es geht um Ehebruch und · vorgespielten ·

Partnertausch. Doch die drohende Katastrophe tritt nicht ein, die Beteiligten erkennen die menschlichen Schwächen, aber auch die Stärken ihrer jeweiligen Angetrauten und bekennen sich schließlich

voll zu diesen. Daß das Stück dennoch nicht auf ein rührseliges Happy-End hinausläuft, gehört zu den großen Qualitäten Bahrs. Und fast bekommt man Mitleid mit dem Pianisten, der sich bei nächstbester

Gelegenheit wieder einem seiner "Ganserln" zuwendet und dabei angesichts seines sich bemerkbar machenden Alters die darin involvierten Strapazen fürchtet. Hackl spielt dies gerade mit der richtig

dosierten Mischung aus Koketterie und echter Betroffenheit. Er ist längst kein Don Juan mehr, kein Frauenverführer, sondern einer, der sich, müde und bequem geworden, ohne viel Gegenwehr einfach

verführen läßt.

Seine Begabung für komische und dennoch lebensechte Charaktere stellt wieder einmal Thaddäus Podgorski in der Nebenrolle des Pollinger unter Beweis, der mit seiner Frau (Angelika Welzl) die Almhütte

des Musikers bewirtschaftet. Aus dem Kreis der in den "Meister" unsterblich verliebten Schülerinnen verdient Kathrin Beck hervorgehoben zu werden. Das ihrem Herrn ebenfalls rettunglos verfallene

Dienstmädchen spielt Eva Maria Neubauer. Für das passende Bühnenbild und die richtigen Kostüme sind Rolf Langenfass und Monika von Zallinger verantwortlich. Wiens Theaterhimmel funkelt hell · und

wienerisch, im besten Sinn des Wortes. So wie's dem Stammpublikum der Josefstadt eben gefällt.