• vom 27.06.1998, 00:00 Uhr

Bühne

Update: 08.04.2005, 11:17 Uhr

Berndorf: Festliche Jubiläumspremiere

Kindheit in die Tasche gesteckt




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Von Lona Chernel

In Berndorf wird gefeiert: 100 Jahre Stadttheater Berndorf und 10 Jahre Festspiele Berndorf. Heuer gibt es zwei Produktionen, und die erste Premiere wurde besonders - wie soll


man es nennen - feierlich, innig, fröhlich, "jubilierend" gestaltet. Landeshauptmann-Stellvertreter Ernst Höger, der Initiator der Sommerspiele Berndorf und "Entdecker" Felix Dvoraks als Intendant

derselben, hielt eine launige, sehr gefühlsbetonte Eröffnungsrede, überreichte ein Ehrenzeichen für Dvorak und stellte dessen Festschrift "Stadttheater Berndorf - das hundertjährige Wunder" vor.

Verabsäumte aber auch nicht scherzhaft zu sagen, daß vielleicht doch auch einmal ein Politiker der "Spezialgast" in einer Inszenierung sein könnte. Vor Beginn des Stückes las dann Michael Heltau aus

Max Reinhardts "Rede an seine Schauspieler", und er las - wie könnte es anders sein - mit voller Überzeugung, eindringlich und packend. Denn abgesehen davon, daß er ein grandioser Schauspieler ist,

gehen diese Worte Reinhardts ja jedem "Komödianten" "unter die Haut". Und der Gedanke, daß der Schauspieler "seine Kindheit in die Tasche gesteckt hat", berührt zutiefst.

Diese Passage ist es aber auch, die einen das "Wunder Berndorf" und das "Wunder Dvorak" verstehen läßt. Denn da macht nicht nur einer Sommertheater, gekonnt und gewieft, da erfüllt sich einer einen

Traum, ist glücklich, ist selig, wie ein Sechsjähriger im Märchenland. Das spürt man, das macht Dvoraks Produktionen so besonders. Und so hätte er sich für die Festpremiere gar kein passenderes Stück

aussuchen können, als Erich Kästners bezaubernde Komödie "Das lebenslängliche Kind" nach dem Roman "Drei Männer im Schnee", von Dvorak jetzt allerdings in den Sommer und nach Grado versetzt. Im Jahre

1973 spielte Felix Dvorak bereits im Theater in der Josefstadt eine der Hauptrollen, nun ist er der Millionär persönlich, der als "armer Mann" verkleidet in ein Hotel kommt, um zu testen, wie sich

die Menschen dann verhalten. Und Dvorak ist wahrlich eine Idealbesetzung für diesen Träumer, der so gerne an das Gute glauben möchte.

Um ihn schart sich - unter seiner flotten Regie - ein buntes, reizvolles Team: Katja Dvorak-Löwy als liebenswerte, besorgte Tochter, Andrea Christine Kunesch als schüchterne Zofe, die skurille Erne

Seder als chaotische Hausdame, die großartige Maria Perschy als ehemaliger Filmstar, Peter Fröhlich als "treuer Diener seines Herrn", Erich Padalewski als geplagter Hotelportier, Felix Kurmayer als

ungemein sympathischer Dr. Dorn. Und in weiteren profilierten Rollen präsent und wandlungsfähig: Inge Toifl, Eike Konold, Silvia Reisinger, Rudolf Pfister, Alf Beinell, Fritz Goblirsch, Jan

Matejcek. "Spezialgast" ist diesmal Horst Friedrich Mayer als Admiral, und er macht seine Sache wirklich sehr gut. Für die wunderhübschen Bühnenbilder zeichnet Dietmar Matejcek, für die schönen,

aparten Kostüme Dagmar Truxa.



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Dokument erstellt am 1998-06-27 00:00:00
Letzte Änderung am 2005-04-08 11:17:00


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