Wien.

Valerie Oberleitner mit "Spendit Isolation".
Valerie Oberleitner mit "Spendit Isolation".
Abseits und weit weniger beachtet als das umfangreiche Programm des diesjährigen ImPulsTanz-Festivals, kümmert man sich auch um die Nachwuchskünstler. Die Plätze, die im Rahmen einer zweiwöchigen Residency und mit einer Präsentation der Arbeiten verbunden ist, sind limitiert. "Wir haben prinzipiell acht Plätze, manchmal dehne ich sie noch ein bisschen", meint Christa Spatt, künstlerische Leiterin der Nachwuchsreihe 8:tension, mit einem Schmunzeln.

Leicht fällt Spatt die Auswahl nicht: "Viele schicken ihre Videos. Aber ich bin auch aktiv am Recherchieren, besuche viele Festival und habe Kontakte, die mir auch Empfehlungen geben." Die künstlerische Leiterin hat klare Auswahlkriterien: "Ich versuche als Kuratorin jene zu finden, die schon eine eigene choreographische Sprache entwickeln. Vorbilder und Lehrer spielen dabei eine Rolle, aber es soll kein Nachahmen eines Stils sein." Es gehe nicht darum, eine bestimmte ästhetische Ausrichtung zu erfüllen. "Ich möchte den Choreographen keine Schablone aufzwingen, denn unterschiedliche ästhetische Sprachen haben ihre Berechtigung im zeitgenössischen Tanz."

Christa Spatt, Kuratorin von 8:tension.
Christa Spatt, Kuratorin von 8:tension.
Reiben an Konvention

Wie soll ein junger Tanzschaffender seine ersten Schritte zu einer Produktion starten? Die Zugänge sind laut Kuratorin extrem unterschiedlich: "Manche finden ihren künstlerischen Zugang ganz klassisch über Bewegungsrecherche, andere wiederum mit intellektuellen Auseinandersetzungen." Die Themen, die dem Nachwuchs am Herzen liegen, wären großteils sehr persönliche Auseinandersetzungen; die Identitätssuche als Kunstschaffender steht im Mittelpunkt. Dafür wird das Genre auf seine Eigenheiten abgeklopft, die Grenzen ausgeforscht und experimentiert. "Dazu gehört auch, sich an den Konventionen zu reiben", so Spatt.

DabeibekommendieJungchoreographen jede Unterstützung. Während des Aufenthalts können sie die Struktur des Festivals nutzen und Workshops besuchen, im Studio arbeiten, für weitere Projekte Tänzer suchen und sich untereinander austauschen. "Ich versuche herauszufinden, was jeder individuell braucht." Das reicht von der Studionutzung bis zu Ausstellungsbesuchen für ihre Inspiration. "Ratschläge zu den Performances sollte man nicht unaufgefordert geben. Ist eine Offenheit da, dann gibt es Beratung auf jeder Ebene. Das ist eine Gradwanderung." Ein Spagat, der kompliziert klingt. "Das ist es auch. Aber mit der überschaubaren Anzahl von Teilnehmern ist das machbar."

Im Großen und Ganzen funktioniert das Wechselspiel sehr gut. Dennoch würde sich Christa Spatt noch mehr Offenheit und Risikobereitschaft von Seiten des Publikums wünschen. Denn es handelt sich um Künstler, die noch nie in Wien aufgetreten sind. "Da weiß man nicht, was einen erwartet." Doch diese Arbeiten in kleinem Rahmen hätten eine Intimität und eine Rohheit, die man oft bei den großen Stücken nicht mehr erleben würde. "Da stecken 120 Prozent Herzblut der Künstler drinnen, denn in diesem Moment geht es um alles." Das sei der Mehrwert für den Zuschauer. "Für die jungen Künstler ist es ein harter Schritt, aus dem geschützten Raum der Studiobühne vor ein nichtprofessionelles Publikum zu treten, das nicht aus Bekannten besteht." Aller Anfang birgt Risiken, die erst den Künstler formen.

8:tension ab 17. Juli mit Valerie Oberleitner, Marco Milic, u. a.

www.ImPulsTanz.at