Salzburg. Selbstverständlich werden die Turmbläser auch heuer ihre Fanfare über den Residenzplatz erschallen lassen. Darüber hinaus werden in der Salzburger Altstadt bei der diesjährigen Eröffnung der Festspiele aber auch neuartige Klänge widerhallen: Am 24. Juli soll im Rahmen des zweitägigen Eröffnungsfests die österreichische Erstaufführung des Klangprojekts „Musicircus” von John Cage über die Bühne gehen.

Mit „Bühne” ist die gesamte Stadt gemeint: Handelt es sich bei „Musicircus” doch um kein konventionelles Werk, sondern lediglich um die Anweisung an eine größere Anzahl Musiker, ein Areal gemeinsam zu bespielen. Alle erdenklichen Arten der Ton- und Geräuscherzeugung stehen bei der 1967 erstmals realisierten Performance gleichberechtigt nebeneinander.

Dazu Markus Hinterhäuser, der als Interims-Intendant heuer für das Gesamt-Programm verantwortlich zeichnet: „Die muhende Kuh eines Bauern hat bei ,Musicircus die gleiche Wertigkeit wie eine Arie von Netrebko.” Mit über 1000 erwarteten Beteiligten, die von 16 bis 16.45 Uhr die Altstadt beschallen sollen, stellt die von Hubert Lepka organisierte Aufführung die bisher größte Version des Happenings dar. „Musicircus” repräsentiert die konsequenteste Umsetzung von Cages Vorstellung einer demokratischen Kunst - eine Vision mit utopischem Potenzial: War der Komponist doch überzeugt, dass Revolutionen in der Kunst solche in der Gesellschaft vorwegnehmen können.

Selbst wenn diese Ansicht mittlerweile an Überzeugungskraft verloren haben dürfte, lässt sich die Umsetzung von „Musicircus” als symptomatisch für ein Gesamtkonzept verstehen, mit dem Hinterhäuser die Festspiele jenseits des Genuss-Faktors auch als Impuls öffentlicher Auseinandersetzung positionieren will. So hat der Intendant dem Festival das Zitat von Luigi Nono „Das Ohr aufwecken, die Augen, das menschliche Denken” als Motto vorangestellt.

Abseits des Rummels


Dieser Ansatz kommt besonders in jenen Zyklen zum Tragen, die Hinterhäuser als Konzertchef ins Leben gerufen hatte. Verfolgt die Reihe „Der fünfte Kontinent” das Ziel, Beziehungen zwischen Altem und Neuem ins Bewusstsein zu rücken, so soll bei den „Mahler-Szenen” das Spannungsverhältnis zwischen unterschiedlichen Genres und Stilen hörbar gemacht werden, das für die Symphonien des Spätromantikers kennzeichnend ist.

Auch im Opernprogramm fällt eine Tendenz zu Neuem und Seltenem auf: Hier findet sich etwa eine konzertante Aufführung des kaum bekannten Einakters „Le Rossignol” von Igor Strawinsky. Ein Hinweis darauf, dass sich nicht nur im Rahmen zeitgenössischer Experimente Wege abseits breitgetrampelter Festspiel-Pfade beschreiten lassen.