Ein sympathischer Philosoph: Günther Paal.
Ein sympathischer Philosoph: Günther Paal.

Jubiläum für den Kabarettisten Günther Paal alias Gunkl: Er hat soeben sein zehntes Soloprogramm auf die Bühne gebracht. Diesmal geht es um "Die großen Kränkungen der Menschheit". Die beginnen schon damit, dass die Erde eben keine Scheibe, sondern eine Kugel ist - was das Problem aufwirft, wie die Schwerkraft auf der Unterseite funktioniert. In gewohnt hochkomplizierten Schachtelsätzen setzt Gunkl zur Erklärung an, nur um kurz darauf einzugestehen, dass man das eigentlich nicht verständlich erklären kann. Stattdessen führt er gleich zur Kränkung Nummer zwei: dass nämlich Gott aufgrund der Nicht-Erdscheibe nicht wirklich oben sein kann, sondern höchstens rundherum. Oder daneben? Oder gar nicht bei uns? Die Sache mit Gott und Religion ist ein Thema für sich, das es mit subtil-akkurater Logik zu zerpflücken gilt.

Doch dazu kommt Gunkl erst später. Denn zunächst beschäftigt er sich mit weiteren Kränkungen, die ihn auch auf sehr unsicheres Terrain führen: den "freien Willen" des Menschen. Gibt’s den überhaupt? Oder ist er - oder auch seine Nichtexistenz - bloß ein Vorwand für ethisch-moralische Nackerbatzerln?

Über diese und noch viele andere philosophische Fragen doziert der "Experte für eh alles", wie ihn sein Kabarettistenkollege Alfred Dorfer einst so treffend genannt hat. Und obschon er dabei zu hochsprachlichen geistigen Höhenflügen abhebt, holt er sich selbst und auch sein Publikum immer wieder durch geschickt eingestreute umgangssprachliche Bodenständigkeiten wieder zurück auf den Teppich.

Der Philosoph unter Österreichs Kabarettisten deckt aber auch gesellschaftliche Zusammenhänge sowie menschliche Unzulänglichkeiten auf und bricht eine ganz dicke Lanze für die Frauen, während er den Unterschied zwischen "alle" und "jeder" seziert. Auch wenn es vermutlich nicht jeder versteht, haben alle was davon. Und sei es nur der Trost, der in Gunkls Ausführungen mit drinsteckt. Also: Nur nicht kränken.

Kabarett

Gunkl: Die großen Kränkungen der Menschheit

Wh: 3. bis 17. September Kulisse, 20. bis 23. September Orpheum, 24. und 26. September Stadtsaal