Wiener Zeitung:

Warum "Tralala"?

Herbert Steinböck: Die Idee bei "Tralala" ist, dass eigentlich jeder bei einem Lied die erste Zeile kennt, vielleicht noch die zweite, aber bei der dritten singt er nur noch Lalala, Tralala. Und so ist das eigentlich im ganzen Leben. Wie oft hat man eine Situation, wo jemand redet und man sagt: Jetzt kann ich nicht mehr zuhören, da versteh ich nur mehr "Tralala oder Blablabla. Und umgekehrt aber auch, wenn jemand sich selbst kritisch zuhört, wird er vielleicht feststellen, dass er selbst auch nur mehr Tralala redet. Also ist das Leben voll von Tralalas, sprich von einfach nicht vorhandenen Informationen, von blbdlbdl - irgendwas. Lautmalerei. Und da für uns die Idee, dem nachzugehen, damit zu spielen. Wir haben natürlich viele Lieder, wo dieses Tralala zur Kunstform gemacht wurde. Wo den Autoren kein Text eingefallen ist, und dann eben lautmalerisch Blablabla oder Tralala gemacht wurde.

WZ:Es wird also auch bei euch sehr viel gesungen?

Steinböck: Ich würde sagen, fünfzig-fünfzig.

Thomas M. Strobl: Und es wird viel zitiert.

Steinböck: Tralala gibt es ja überall. Wenn der Installateur kommt und erklärt, was er alles gemacht hat, dann hörst du selbst auch nur Tralala. Und er selber weiß das aber auch. Oder Smalltalk, wenn sich Leute treffen. Wir wollen also die ganze Bandbreite des Tralala ausloten.

WZ: Also wird das Publikum auch in eurem Programm viel Tralala hören?

Steinböck: Also ich kann mir vorstellen, wenn es Ehemänner gibt, die von der Gattin unbedingt mitgegezerrt werden, dass die sich denken: Blablabla.

Strobl: Aber die Ehemänner werden von uns abgeholt. Ich bin ja der Ehemann und der Kindsvater und Großfamilienmeister. Ich vertrete da diese Gruppe.

Steinböck: Und die Väter werden abgeholt. Wir haben wirklich versucht, ein möglichst breites Spektrum zu bedienen. Vor allen Dingen ist bei uns beiden im Vordergrund gestanden: Wir wollen selbst Spaß haben dabei. Aber nicht nur wir zwei auf der Bühne beim Spielen, sondern auch die Leute unten beim Zuhören. Es ist aber trotzdem keine seichte Unterhaltung. Es ist ja ein komplexes Thema: Wann hören wir auf zu denken, weil’s einfach nimmer geht oder weil wir nimmer wollen, und hören einfach nur Blablabla, Tralala.

WZ:Wie ist der Stil des Programms? Führt ihr eine Doppelconference?

Steinböck: Es gibt viele Doppelconference-Elemente, aber auch viel Standup nebeneinander, wo wir nicht miteinander agieren, sondern mit dem Publikum. Wir werden uns auch erlauben, den einen oder anderen Sketch einzubauen, das eine oder andere Lied einfach so zu machen und einige pantomimische, körperliche Nummern.

Strobl: Es wird eine sehr interessante Riverdance-Einlage geben, eine Bodenturn-Einlage. Es wird ein sehr körperliches Programm. Und der Höhepunkt ist ein Feuerwerk. Ein richtiges Feuerwerk.

WZ:Warum spielt Strobl mit Steinböck?

Strobl: Wir haben einander kennen und lieben gelernt über die Bühnenfiguren hinaus in unserer zwei Saisonen langen Simpl-Zeit und sind einfach draufgekommen, dass wir so unheimlich gut miteinander reden können. Über das Leben - bis hin, wo uns dann auch nur mehr Tralala einfällt. Und da gibt es dann schon eine Dualität: Da gibt es den Schauspieler und den Beobachter und bei mir eher den, der sich lieber eine Gitarre umhängt und dann gleich einmal ein Lied singt. Und das zieht sich auch durch das Programm durch, in den anderen Garten zu schauen und zu sagen: Dein Gras ist ja eigentlich recht grün und vice versa. Und der Herbert singt echt gut, die zweite Stimme singt er besser als ich (das darf ihm nur nie jemand sagen). Und da hat er sich offenbar in mich, den Musiker verschaut. Und ich habe mich in den Typen verschaut, der jede Gefühlsregung in Zehntelsekundenschnelle ins Gesicht, in die Mimik, in die Gestik, in die Stimmführung bringen kann. Und ich glaube, wir wachsen aneinander enorm.

WZ:Und warum spielt Steinböck mit Strobl?

Steinböck: Ich weiß es nicht. Wegen der Kohle kann’s nicht sein (lacht). Nein, ich habe ähnliche Beweggründe wie er. Es stimmt schon, dass ich mich in erster Linie in den Musiker verliebt habe, weil ich halt so gern singe auf der Bühne und es sich in den Programmen davor aus dramaturgischen Gründen nicht ergeben hat. Da hab ich mir eben jetzt gedacht: Dann tu ich mich halt mit einem Musiker zusammen. Der besondere Glücksfall beim Tommy ist, dass er nicht nur Musiker ist, sondern auch Kabarettist und Schauspieler. Das ist mir sehr wichtig, ich brauche nicht einen, der sich nur hinstellt und Gitarre oder Keyboard spielt, sondern es soll ein Miteinander sein. Wenn ich so ein Projekt wage, dann muss es ein Duo-Programm sein, wie es gehört, und nicht dass einer konzertiert und einer hinten spielt. Und weil er eben auch ein guter Schauspieler ist, haben wir auch sehr viele schauspielerische Elemente dabei. Am meisten fasziniert mich, dass er, wurscht was für ein Teil herumliegt, es in die Hand nimmt und darauf Musik machen kann, und zwar wirklich tolle Musik. Tommy ist ein Straßenmusikant im besten Sinne, und das entspricht auch meinem Naturell. Und so können wir eben gemeinsam singen, eingepackt in völlige wahnsinnslustige Geschichten von Anfang bis Ende. Aber wir werden die Leute nicht mit Musik zuspülen.