Strobl: Wir machen ja kein Musical.

Steinböck: Es sind ja immer nur so kleine Häppchen, kleine Portiönchen.

WZ:Wie ist die Zusammenarbeit mit eurem Regisseur Bernhard Murg?

Steinböck: Die ist sehr gut. Der Vorteil ist, dass wir drei alte Hasen sind und uns schon so gut kennen, in allen Lebenssituationen, und daher die gleiche Sprache sprechen, was bei einem solchen Projekt sehr angenehm ist. Dass der Eine gleich weiß, was der Andere meint, und wir alle drei uns blind verstehen. Ein Regisseur ist natürlich auch immer ein gutes Regulation - und zu dritt kann man immer Mehrheitsentscheidung treffen.

Strobl: Nur für die Statistik: Herbert und ich haben im Simpl zwei Saisonen miteinander gespielt, das waren ungefähr 360 Shows, das sind 20.000 Leute. Mit Bernhard habe ich im Simpl 540 Shows gespielt, und Herbert hat mit Bernhard gemeinsam vier Saisonen im Simpl gespielt, das sind dann an die 720 Shows, das sind 280.000 Menschen. Da hat man schon, ohne dass es einem präsent ist, einen unglaublichen gemeinsamen Weg schon beschritten. Deshalb ist uns auch so vieles schon klar.

Steinböck: Das Schöne ist, und das hat auch sicher mit Bernhard zu tun, dass wir nicht proben im klassischen Sinne - also auswendig lernen, hinstellen, stagen -, sondern es ist irrsinnig mosaikhaft. Wir haben sehr viel am Text gearbeitet, sehr viel am Tisch gemacht - und plötzlich zahnt die ganze Geschichte, und ohne dass du es merkst kippt dieses Mosaik ineinander und dann wird es plötzlich ein Bild. So einen Zugang zum Kabarett habe ich eigentlich noch nie gehabt, im Sinne von: Wir haben uns getroffen, haben uns Nummern überlegt, was würde uns interessieren . . . und da haben wir eine Abfolge gemacht, ohne noch viel Text zu haben. Und da waren sehr viele Ideensplitter, wo wir schon gemeint haben, jetzt müssten wir eigentlich auf die Länge eines ganzen Programms kommen - was eigentlich der Wahnsinn ist. Aber weil wir uns schon so gut kennen und so ein Gespür haben und so lange im Geschäft sind, hat das wirklich geklappt. Mittlerweile sind wir schon sehr weit vorangeschritten, und das Mosaik dürfte wirklich funktionieren. Das ist für mich sehr faszinierend. Und, obwohl ich die beiden Hasen schon so lange kenn, trotzdem ein völlig neuer Weg.

WZ:Und wie viele der ursprünglichen Ideen musstet ihr rausstreichen, um die Länge einzuhalten?

Strobl: Wir sind noch nicht so weit, dass wir schon streichen . . .

Steinböck: . . . aber im Vorfeld haben wir natürlich schon bei irrsinnig vielen Ideen, die auch schon ausgereift waren, gesagt: Nein, das springt uns jetzt nicht so an, das lassen wir uns bloß als Ass im Ärmel, falls wir doch zu kurz werden sollten, das könnten wir dann ohne viel Mühe fertig ausarbeiten. Und da haben wir schon einiges, sicher fast eine halbe Stunde in petto.

Strobl: Wobei, da habe ich nie so hingeschaut, dass es dann wirklich verlieren würde, derart auf Standby gelegt.

WZ: Ihr habt eure Vorpremieren - überspitzt formuliert - "in der Provinz". Unterscheidet sich das Publikum am Land von jenem in der Stadt?

Strobl: Natürlich. Die Frage ist aber eher, ob nicht die auf der Bühne einen Unterschied machen. Wenn man sich zum Beispiel denkt: Jetzt bin ich da in einem Hinterzimmer von einem Landgasthof, und jetzt probier ich auch mehr aus, jetzt traue ich mich mehr, bin auch lockerer. Vielleicht geht’s quasi um weniger.

Steinböck: Man muss natürlich unterscheiden zwischen Vorpremieren und regulärem Spielbetrieb. Bei Vorpremieren sind ja auch wir pro Vorstellung anders - hoffentlich besser, ruhiger, entspannter, überblickender. Und das ist nicht, weil wir am Land oder in der Stadt sind, sondern das liegt an uns. Da kann das Publikum gut oder schlecht sein, das hat damit nichts zu tun, wenn wir uns in der Vorpremiere irgendwie durchlavieren. Das ist ja auch der Sinn einer Vorpremiere. Dass du zum Beispiel einen Satz hast, wo du weißt, da ist garantiert eine Pointe drin, nur wo? Und dann probierst du es einmal so - nix. Dann so - nix. Dann so - und dann ist sie plötzlich da. Aber wenn das Publikum bei den ersten Versuchen nicht gelacht hat, ist es nicht ein schlechtes Publikum, sondern ich habe die Pointe noch nicht gehabt. Im regulären Spielbetrieb gibt es dann schon auch Unterschiede, aber eher aufgrund des Umfeldes. Zum Beispiel hat in Vorarlberg eine Geschichte über Section Control nicht funktioniert, die haben darüber schon einmal gelesen, aber nicht mehr. Die Wiener hingegen, die im Kaisermühlentunnel dauernd durchfahren, wussten, was ich meinte.

WZ:Warum sollte man unbedingt "Tralala" besuchen?

Steinböck: Wir brauchen das Geld (lacht). Na, wir sind Vollprofis und liefern ein tolles Programm ab.

Bernhard Murg (ist inzwischen dazugekommen): Weil die beiden einzigartige Kabarettisten sind.

Steinböck: Und wir geben die Garantie: Sie kommen mit ihrem Alltag in die Vorstellung und werden ihn zwei Stunden lang vergessen. Sie werden verzaubert, wir werden gemeinsam Spaß haben. Wir holen Sie ab - und wir wissen, wie das geht, wir sind ja lange genug dabei. Es ist unser Prinzip, Theater zu spielen.

Strobl: Es wird ein intensiver, lustiger Abend. Aus 500 Jahren Musikgeschichte gibt es alle möglichen Zitate. Und es wird sicher niemanden geben, der nachher sagt, dass gar nichts für ihn dabei war an diesem Abend.

Murg: Es ist die Mischung. Herbert ist eine Dampfwalze auf der Bühne und Thomas unser Musikus. Sie ergänzen einander perfekt. Einzeln sind sie weniger als zusammen, das hat man schon im Simpl gemerkt. Es sind Inputs auf zwei komplett verschiedenen Ebenen, die da zusammenkommen.

Herbert Steinböck und Thomas M. Strobl: Tralala

Regie: Bernhard Murg

Premiere am 7. November 2011 in der Wiener Kulisse

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