"Wiener Zeitung": Wie in Hollywood üblich, haben wir für das Interview leider nur 15 Minuten Zeit. Könnten Sie, um das Verfahren abzukürzen, nicht einfach irgendwas Lustiges sagen?

Dirk Stermann: (lacht). Ne, leider nicht. Anders als Hollywood-Stars können wir auch in 15 Minuten nichts Lustiges sagen.


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Im neuen Programm geht es ausschließlich um Stermann. Wie darf man sich das vorstellen?

Christoph Grissemann: Es ist ein Selbstentblößungs-Stück. Stermann versucht, in zwei Stunden über sein Leben zu erzählen, ähnlich wie Charlotte Roche es in ihren Büchern macht. Also mit allen sexuellen Details. Und ich komme als Störenfried und versuche, dieses unmögliche Stück zu zerstören. Das ist im Groben der Inhalt. Wie es endet, wollen wir nicht verraten. Nicht, weil es so spannend ist, sondern weil das Ende so schlecht ist.

Wieso? Haben Sie zu wenig Zeit gehabt, das Stück zu schreiben?

Stermann: Nein, überhaupt nicht! Wir hatten fünf Tage Zeit, das Stück zu schreiben. Das ist viel mehr als sonst. Ich glaube, dass es das emotionalste Programm bisher ist. Es ist zum Weinen, Lachen und Ekeln. Weil normal ist es ja immer nur eklig.

Grissemann: Wir haben auch eine sehr hohe Pointendichte. Wir haben mitgezählt: 168 Pointen. In zwei Stunden ist das echt eine hohe Schlagzahl. Und von diesen Witzen funktionieren immerhin 30 bis 40. Gute Zahl, wenn man da etwa an Gunkl denkt . . .

Theater muss ja auch nicht immer angenehm sein . . .

Grissemann: Absolut! Deshalb haben wir auch einen Sniper im Publikum, der uns von der Bühne schießt.

Gut, dass Sie das ansprechen. Da gab es ja Aufregung über einen Witz in "Willkommen Österreich" in der Vorwoche. Wo sie über eine Einladung der FPÖ zu einer Veranstaltung mit Thilo Sarrazin gesagt haben: "Wo ist der Sniper, wenn man ihn braucht?" Damit sind Sie wieder einmal im Visier der FPÖ.

Stermann: Man muss dazu sagen, dass Grissemann und FP-Generalsekretär Harald Vilimsky privat befreundet sind, auch die Familien sind da glaube ich sehr eng. Das ist also einfach ein Medienspiel, das sich die beiden ausgedacht haben. Christoph kann überhaupt privat mit den Rechten sehr gut. Ich muss immer lachen, wenn ich das dann in der Zeitung lese, weil ich weiß ja, dass die das gemeinsam ausgedacht haben - besoffen, weil nüchtern würde man das ja nicht tun.

Aber gibt es Strategien im Umgang mit politischer Kritik? Meidet man Kärnten besser generell?

Grissemann: Überhaupt nicht. Gerade die Kärnten-Auftritte sind oft die besten. Wir sind da an der Uni in Klagenfurt. Das sind 700 Leute drin, die das sehr genießen. Ich habe ja auch viele Kärntner Freunde und finde das Bundesland wirklich schön.

Stermann: Wir können vor einem aufgeklärten, linken Publikum auch nicht so gut auftreten, da haben wir oft Probleme.

Also ist Ihnen das gepflegte Bierzelt lieber?

Stermann: Ja, wir tendieren lieber Richtung Bierzelt.

Wie begehen sie den dritten Todestag von Jörg Haider?

Grissemann: Privat nicht. Oder zündest Du eine Kerze an?

Stermann: Wir haben ja eine lange Geschichte mit den Rechten, ob Haider oder Westenthaler. Und es bewahrheitet sich, was wir schon damals immer gesagt haben: Wir werden noch arbeiten, wenn die nicht mehr arbeiten.

Gehört ein gewisses Maß an Respektlosigkeit zur Late Night Comedy einfach dazu?

Stermann: Das ist der einzige Grund für diese Sendung, deswegen gibt es sie. Dass man eben nicht wie die "Zeit im Bild" oder "Universum" mit den Themen umgeht, sondern satirisch überhöht, immer an Grenzen wandelnd. So sind seit 60 Jahren die amerikanischen Vorbilder, so sind die deutschen, so sind wir. Sonst braucht man es gar nicht machen.

Gibt es auch Sachen, die man macht und dann nicht sendet?

Stermann: Es gibt Sachen, die wir nicht senden, weil wir sie dann selber unappetitlich finden. Manchmal kann es auch sein, dass durch die Fülle an Sätzen, die man sagen muss, etwas nicht richtig formuliert war, sodass es bei den falschen Adressaten ankommt. Mit der Gefahr muss man aber immer leben. Das macht aber auch den Reiz dieser Sendungen aus, dass man eben vorher nicht weiß, dass es nur angenehm wird.

Gibt es eine Testgruppe?

Stermann: Beim Fernsehen leider nicht - und das merkt man dann auch. Die Testgruppe sind die Zuschauer. Und Herr Vilimsky. Wir sollten die Sachen vielleicht vorher beim Ring Freiheitlicher Jugend ausprobieren.

Wäre klassische Late Night etwas, was Sie reizen würde - also mehrmals die Woche?

Grissemann: Es geht das, was wir jetzt machen, auch schon sehr an die Substanz, obwohl es nur einmal die Woche ist. Man darf ja nicht vergessen, dass wir begleitend dazu auch 150 bis 200 Auftritte pro Jahr absolvieren. Die Restkraft, die mir da übrig bleibt, stecke ich in die Fernsehsendung. Kaum vorstellbar, dass ich das wie Stefan Raab täglich mache.

Stermann: Ich fände es ja auch schon einen Fortschritt, wenn wir wöchentlich produzieren würden und nicht aus Kostengründen alle zwei Wochen. Das ist für eine aktuelle Sendung Schwachsinn.

Grissemann: Wir machen oft Witze über Ereignisse, die noch gar nicht stattgefunden haben. Da muss man schon Gespür haben.

Stermann: Da reden wir lange über irgendeinen Rechten und dabei ist der längst im Gefängnis, wenn die Sendung neun Tage später ausgestrahlt wird. Würden die Leute endlich die Hälfte ihres Einkommens für Fernsehgebühren ausgeben, dann könnten wir wöchentlich aufzeichnen.

Ist beim Programm diesmal alles neu oder gibt es auch Teile, die man schon kennt?

Grissemann: Sehr viel alte Witze! Aber neu interpretiert.

Stermann: Es gibt aber auch Blöcke, die jetzt besser passen. Wir haben Teile des Programms schon sieben Jahre zu früh auf der Bühne erzählt. Wir treten jetzt auch in Orten auf, wo wir früher nie waren, also Zürich oder Dresden, da ist es wurscht, dass man das alles schon kennt.