"Wiener Zeitung":

"Für einen Kabarettisten ist es der Höhepunkt, in der Burg zu spielen", sagt Werner Schneyder.
"Für einen Kabarettisten ist es der Höhepunkt, in der Burg zu spielen", sagt Werner Schneyder.
Sie kommen am 22. Jänner wieder als Kabarettist ins Wiener Burgtheater. Warum bisher nie als Schauspieler?

Werner Schneyder: Es hat sich nie ergeben . . . Doch, einmal war ich als Schauspieler an der Burg: mit Erika Pluhar im Stück "Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation" im Akademietheater - also quasi an der Burg.

Sie sind Kabarettist, Schauspieler, Regisseur, Schreiber - was davon sind Sie derzeit am liebsten?

Ich habe das Glück, es mir aussuchen zu können und all diese Dinge parallel zu machen. Das ist eine Art Leben, die mich sehr ausfüllt. Und glauben Sie mir: Für einen Kabarettisten - ich sag das ganz unkitschig - ist die Tatsache, dass er in der Burg spielen darf, der Höhepunkt.

Ist dieses Privileg mit Nervosität verbunden?

Ich freue und fürchte mich, weil ich vom Programm, das ich schon oft gespielt habe, etwa 30 Prozent erneuert habe: sehr viel Aktuelles also, und das will auch noch gelernt sein. Das spiele ich im Burgtheater zum ersten Mal, es gibt keine Ausprobier-Vorstellung. Ich bin unglaublich nervös.

1996 wollten Sie "unwiderruflich" die Kabarettbühne verlassen. 2008 sind Sie dann doch zurückgekehrt. War die Entscheidung richtig?

Ich habe große Freude an meinem Comeback, weil ich eine intensive Zeit erlebe. Thematisch knüpfe ich dort an, wo ich als Kabarettist schon immer angesetzt habe: vor der Wachstumsideologie zu warnen. Es wird so vieles an die Wand gefahren. Ich bin also mittendrin in meinem Kernthema.

Sehen Sie sich als Wutbürger?

Wer im Moment keine Wut hat, der muss krank sein. Oder bestochen.

Wut auch über willkürlich anmutende Entscheidungen im ORF?

Die Debatte um Niko Pelinka finde ich maßlos hochgespielt. Ich glaube nicht, dass ein Büroleiter einen Sender gewissermaßen politisch einfärben kann. Einen Sender, der aus der Ära von Wolfgang Schüssel noch ein wunderbares schwarzes Netzwerk hat. Ich halte diese Befürchtungen weitgehend für Hysterie. Außerdem ist Niko Pelinka ja kein Idiot. Der würde schon sehr aufpassen, dass man ihm nichts nachweisen kann auf diesem Gebiet.

Zurück zu Ihnen persönlich: Sie werden am 25. Jänner 75 Jahre alt. Gibt es einen unerfüllten Traum als Künstler?

Da gibt es einige, aber die werden unerfüllt bleiben: Ich werde sicher nicht mehr eine Hauptrolle in einem Musical spielen. Und ich werde auch nicht mehr, was wirklich ein Herzenswunsch gewesen wäre, veristische italienische Opern ins Deutsche übertragen. Das geht sich nicht mehr aus.

Auch weil Sie zu viel anderes zu tun haben? Sie inszenieren ja auch "Das weite Land" am Salzburger Landestheater.

Wenn ein Mensch beginnt, dieses großartige Stück zu proben, und er arbeitet am Samstagvormittag in Salzburg daran und steht dann am selben Abend in Wien auf der Bühne des Burgtheaters - das macht großen Spaß. Ich liebe den Stress.

Arthur Schnitzlers Klassiker haben zuletzt unter anderem Martin Kušej, Andrea Breth oder Alvis Hermanis bearbeitet. Kennen Sie die anderen Inszenierungen?

Ich kenne die in Österreich als geradezu klassisch geltende Inszenierung vom Burgtheater mit Attila Hörbiger und Paula Wessely. Die habe ich selbst gesehen und auch noch einige andere später. Ich habe "Das weite Land" ja auch selbst schon einmal inszeniert, am Staatstheater Meiningen, das muss Ende der 1990er gewesen sein. Ich liebe das Stück. Mein besonderer Zugang ist, dass ich Schnitzlers Bezeichnung "Tragikomödie" ernst nehme, besonders das Wort "Komödie". Was mir bisher fehlt: Wie gut die Vorstellungen auch sind, es wird immer nur die Tragik gespielt, aber nicht, dass sie auf einer komödiantischen Ebene abläuft.

Also wird man bei Ihnen auch lachen dürfen?

Man muss! Denn dann ist die Fallhöhe in den Tod groß.

Zur Person

Werner Schneyderwurde am 25. Jänner 1937 in Graz geboren und studierte Publizistik und Kunstgeschichte. Schon davor arbeitete er als Barsänger und Journalist. Bis heute ist der Schauspieler, Kabarettist, Autor und Regisseur auch als Sportkommentator tätig.