Der Sinn liegt bei René Pollesch oft im vermeintlichen Unsinn - sein Stück "Peking Opel" im Wiener Akademietheater beschäftigt sich mit Autorenschaft und Wahrheitsdiktat. Foto: Burgtheater/Reinhard Werner
Der Sinn liegt bei René Pollesch oft im vermeintlichen Unsinn - sein Stück "Peking Opel" im Wiener Akademietheater beschäftigt sich mit Autorenschaft und Wahrheitsdiktat. Foto: Burgtheater/Reinhard Werner

Auch sein jüngstes Stück ist eine lautstarke, assoziative Collage ganz im Pollesch-Stil geworden - inklusive Spielräumen hinter der Bühne samt Video-Übertragung, sich wiederholenden, mäandernden Textblöcken, latenter emotionale Aufgebrachtheit und tragikomischem Slapstick. Schauplatz des eineinhalbstündigen Theaterabends ist eine Kegelbahn, die zugleich Salon und Radiostation ist. Auf eine stringente Geschichte verzichtet Pollesch, was er zeigt, sind hochphilosophische, dynamische und sprunghaft assoziative Gedankenketten. Mit viel Tempo und rasanten Text-Salven voll humorvoller Tiefgründigkeit.

Hören, ohne zu verstehen

Wir hören einander, verstehen uns aber nicht. Wir werden verstanden, aber man hört uns nicht. Im Zentrum von Polleschs Überlegungen steht die Unmöglichkeit von Kommunikation, die der Regisseur ganz unmittelbar und paradox vorführt. Zwei abgehalfterte Radiomacher haben in einem Hinterzimmer Hollywoods ihren größten Erfolg mit der Radio-Pantomine "Die Stillen Stunde" gelandet und verlesen unverständliche Nachrichten, um die Zuhörer zumindest durch Unverständnis zum Nachdenken anzuregen. Ein neuer Erfolg muss her. Doch die Muse ist durchgebrannt.

Wenn wir einander doch verstehen, folgern Pollesch und sein kongeniales Team, dann sind wir mit Fragen von Wahrheit und Lüge konfrontiert. Und mit der Autorenschaft von Aussagen, bei der es immer wichtiger wird, wer etwas gesagt hat und nicht mehr, was es eigentlich war. Pollesch lässt Sätze durch die Figuren wandern, gibt Aussagen durch die Auflösung ihrer Herkunft an Gewicht zurück. Jeder trägt sein Leben allein, Musen können fremdgehen, wir erliegen dem Zwang nach Selbstverwirklichung und demjenigen, nett sein zu müssen in einer unwahren Gemeinschaft.

Ein dichter, komplexer Abend, der nachwirkt. Und dessen kritische Schärfe und Sinn erst allmählich aus dem scheinbaren Unsinn heraussickern.

Theater

Peking Opel

René Pollesch (Stück, Regie)

Mit Martin Wuttke, Catrin

Striebeck, Marc Hosemann u. a.

Akademietheater

Wh. 6. Juni; Tel. 01/514 44 41-40