• vom 26.03.2012, 16:49 Uhr

Bühne


Theater

Das Wiener Theaterwunder




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Von Petra Rathmanner

  • Der Salon 5 feiert sein fünfjähriges Jubiläum mit einer enigmatischen Uraufführung
  • Die Theaterleiterin und Regisseurin Anna Maria Krassnig über ihren Salon 5.

Szenisches Labor: Mit Anna Polonis Konversationsstück "Camera Clara" (links: Szenenbild mit Martin Schwanda) feiert die Theaterleiterin und Regisseurin Anna Maria Krassnigg (Bild rechts) das fünfjährige Jubiläum von Salon 5. Fotos:(v.l.n.r) Bohumil Kostohryz, Andreas Pessenlehner

Szenisches Labor: Mit Anna Polonis Konversationsstück "Camera Clara" (links: Szenenbild mit Martin Schwanda) feiert die Theaterleiterin und Regisseurin Anna Maria Krassnigg (Bild rechts) das fünfjährige Jubiläum von Salon 5. Fotos:(v.l.n.r) Bohumil Kostohryz, Andreas Pessenlehner

Wien. "Im Grunde überrascht es mich selbst, dass es uns immer noch gibt", sagt Anna Maria Krassnigg, der einst von ihrer Unternehmung heftig abgeraten wurde: "Eine neue Bühne in Wien zu eröffnen ist ja auch irgendwie absurd."


Allen Unkenrufen zum Trotz bezog die Wiener Regisseurin gemeinsam mit Christian Mair 2007 einen leer stehenden Turnsaal im 15. Wiener Gemeindebezirk - und etablierte auf zwei Etagen den Kommunikations- und Theaterraum Salon 5, Bar und Garten inklusive. Das fünfjährige Jubiläum begeht die heimelige Einrichtung, die etwa 50 Zuschauern Platz bietet, nun mit Anna Polonis "Camera Clara", eine der wohl ungewöhnlichsten Uraufführungen der laufenden Spielzeit. Dazu gesellen sich Erfolgsmeldungen: Krassnigg verzeichnet wachsende Zuschauerzahlen (die Auslastung liegt bei 88 Prozent) und stellt neue Pläne in Aussicht: "Wir haben vor zu expandieren."

Labor für Literatur
Möglich wurde das kleine Wiener Theaterwunder durch die rege Kooperationstätigkeit der Spielleiterin und deren überschäumende Energie. Mit ihrem Theaterverein Iffland und Söhne ist die Regisseurin vorwiegend im Ausland tätig; zumal in Luxemburg hat Krassnigg finanzkräftige Partner gefunden. "Unser Programm wäre ohne die internationale Koproduzenten nicht möglich", so die 42-Jährige. "Mit den Subventionen von Stadt und Bund - jährlich rund 56.000 Euro - würden wir hier bloß stümpern."

Gemäß ihrem Credo, wonach Theater jene "Praline" sei, über die auch "bittere Stoffe in die Herzen und Hirne der Theatergeher" gelangten, hat sich Salon 5 bislang vor allem als Labor für Literatur einen Namen gemacht. Gezeigt wurden Bühnenadaptionen wie Fritz Zorns Krebsbericht "Mars" und Daniel Kehlmanns Erfolgsroman "Ich und Kaminsky".

Neben den literarisch-szenischen Erkundungen gibt es Kindertheater und einen Jugendtheaterclub. Erweitert wird das Repertoire durch eine enge Zusammenarbeit mit der Wiener Filmakademie und dem Max Reinhardt Seminar; Krassnigg unterrichtet übrigens seit zehn Jahren an der Schauspielanstalt.

Mit Anna Polonis "Camera Clara" bringt Krassnig ein ungewöhnlich wortkarges, poetisches Konversationsstück zur Jubiläums- und zugleich Uraufführung.

Im Zentrum des 100-minütigen Theaterabends steht ein enigmatisches Geschwisterpaar, das in eigentümliche Affären verstrickt ist. Martin Schwanda gelingt als Eigenbrötler Marek, der zum Erfolgskünstler wider Willen wird, eine berückende Darstellung.

Die Mehrdeutigkeit des Textes hält Krassniggs Inszenierung auf packende Art aufrecht: "Für mich ist es eine Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensweisen", so die Theaterleiterin und zweifache Mutter. Die Frage nach der eigenen Lebensführung treibe einen doch ständig um. Mögliche Antworten finden derzeit auf der Salon-5-Bühne statt.




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Dokument erstellt am 2012-03-26 16:56:06


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