Salzburg. (apa/irr) Während die Salzburger Osterfestspiele am Samstag letztmals in gewohnter Form starten - mit den Berliner Philharmonikern also -, ließ sich der künftige Leiter ebenda erstmals in die Karten sehen: Christian Thielemann, designierter Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, wird das Festival ab 2013 mit dem deutschen Orchester bestreiten. Ein Engagement, für das der Pultstar schon 2011 Vorschusslorbeeren erhalten hatte, war er doch das Happy End einer fieberhaften Suche nach einem Nachfolger für die Berliner. Diese hatten sich - zwecks erweiterter Gestaltungsmöglichkeiten - für einen Umzug an den Festivalort Baden-Baden entschieden.

Der Jubel wird Thielemann wohl auch bei seinen ersten Osterfestspielen erhalten bleiben - schon wegen seines und anderer glamouröser Namen. 2013 steht die Wagner-Oper "Parsifal" mit Sängern wie Johan Botha, Wolfgang Koch und Michaela Schuster im Zentrum; in den Konzerten sind die Starpianisten Jewgeni Kissin und Yefim Bronfman als Beethoven-Exegeten zu erleben.

Kampf dem Imageproblem

Auffallend ist freilich, dass der Neuanfang weitgehend ein personeller ist. Die langgediente Festivalstruktur - zwei Durchgänge von je einer Oper plus Konzerte - bleibt erhalten. Mit einem Hauch Innovation bekämpft man jedoch das Negativ-Image als Elitefestival: Die Karten der Ära Thielemann werden billiger, das teuerste Ticket schlägt "nur" noch mit 490 Euro zu Buche (2012: 510 Euro). Zudem soll ein "Konzert für Salzburg" das Bild vom Jet-Set-Festival bekämpfen. Zu Preisen von 10 bis 70 Euro sind im Großen Festspielhaus sowohl Thielemann als auch der erste Gastdirigent der Dresdner, Myung-Whun Chung zu erleben, wie sie Ouvertüren (beziehungsweise Vorspiele) von Opern der beiden Jahresjubilare Wagner und Verdi leiten. Damit nicht genug der Ouvertüren im ersten Thielemania-Jahr: In den Doppelkonzerten wird auch jene des "Freischütz" zu hören sein, flankiert unter anderem von Mahlers Erster Symphonie, dem "Deutschen Requiem" von Brahms und einer Hans-Werner-Henze-Uraufführung.

An das Schreckgespenst, dass der Exodus der Berliner auch jenen der Sponsoren nach sich ziehen könnte, glaubt man im Festivalbüro nicht: Dort ist man guter Dinge. Die Klientel zeige sich am Thielemann-Programm schon interessiert; es sei Platz genug für Salzburg und Baden-Baden.