Wien. Das Wiener Staatsballett setzt in seiner dritten Saison unter Direktor Manuel Legris weiterhin auf Rudolf Nurejew, auf Zeitgenössisches und auf Auslandsgastspiele. Drei Premieren stehen in der kommenden Saison an der Staatsoper an, zwei weitere in der Volksoper. "Ich bin sehr glücklich mit unseren jüngsten Produktionen", so Legris bei der Pressekonferenz am Dienstag. Glücklich dürfte laut den Zahlen auch das Publikum gewesen sein: Der Verkauf der Ballettzyklen stieg um 26 Prozent, die Auslastung beträgt bisher 95,73 Prozent in der Staatsoper und 75 Prozent in der Volksoper.

Erfolge konnte die Compagnie auch im Ausland verbuchen: Mit "Marie Antoinette" gastierte man in Versailles, mit "Hommage an Jerome Robbins" in Monaco. Noch heuer führt eine Tournee für acht Vorstellungen einer Gala und der "Fledermaus" nach 20 Jahren erstmals wieder nach Japan, zum Ende der kommenden Saison wird das Staatsballett voraussichtlich vier Wochen lang am Pariser "Theatre du Chatelet" gastieren. In Japan wird Legris ebenso selbst tanzen - "das war Teil des Vertrags", schmunzelte er - wie bei der kommenden "Nurejew Gala 2012" am 23. Juni. Hier übernimmt er einen Pas de deux aus "Onegin" - jenes Stück, mit dem er sich vor seinem Wechsel nach Wien als Tänzer der Pariser Oper vom dortigen Publikum verabschiedete.

Eine Nurejew Gala - bei der heuer außerdem Roland Petits "Le jeune homme et la mort" erstmals in Wien zu sehen ist - wird es auch im Juni 2013 geben, als dritte und letzte Saisonpremiere. Den Anfang macht ein Stück, dass den Wienern gut bekannt ist: "Der Nussknacker", allerdings in der Version von Rudolf Nurejew, feiert am 7. Oktober Premiere in der Staatsoper. "Damit knüpfen wir an den Erfolg von 'Don Quixote' an", so Legris. Als zeitgenössische Position kommen am 20. Februar "Tanzperspektiven" mit neuen Choreographien von David Dawson, Helen Pickett, Patrick de Bana und Jean-Christophe Maillot zum Zug. "An diesem Abend soll auch das Können unserer Tänzer in einem neuen Licht erscheinen."

Thoss gastiert erstmals in der Volksoper
In der Volksoper ist erstmals der deutsche Choreograph Stephan Thoss zu Gast, mit seiner Bearbeitung von "Blaubarts Geheimnis", die im Vorjahr in Wiesbaden uraufgeführt wurde. Zu Musik von Henryk Gorecki und Philip Glass wird den Motiven des Blaubart-Märchens nachgespürt. Neben der Übernahme von Jorma Elos "Sommernachtstraum" (2010 an der Staatsoper uraufgeführt) in die Volksoper, steht außerdem ein Abend unter dem Titel "Kreation und Tradition" auf dem Programm, bei dem Legris zeitgenössischen Stücken die Chance geben will, "auf Augenhöhe mit den traditionellen Perlen des Repertoires" gezeigt zu werden.

Nicht mehr dabei sein werden dann die Solisten Elisabeth Golibina und Shane A. Wuerthner, die die Compagnie ebenso verlassen wie Halbsolistin Marie-Claire D'Lyse. Solistinnen-Ersatz ist mit dem Engagement von Vera Sabantseva gefunden, bei den Herren wird noch gesucht. Zwei Neuengagements wurden direkt aus der eigenen Ballettschule getätigt.

"Wir müssen uns an das gestiegene Niveau der Compagnie anpassen", erklärte Ballettschuldirektorin Simona Noja. Neben neuen, internationalen Leistungskriterien wurden die Lehrpläne überarbeitet, in die Fortbildung der Dozenten und in Kooperationen mit anderen Schulen investiert. Außerdem wird auch hier der zeitgenössische Aspekt ausgebaut. Neben dem Kernfach des klassischen Balletts müssten Tänzer "heutzutage auch im zeitgenössischen Tanz ausgebildet sein", so Noja. Die Leistung der Schüler kann man auch heuer wieder in einer Matinee sowie bei den Tanzdemonstrationen bewundern.