"How Far Can We Talk?": Spielarten von Kommunikation und Nicht-Kommunikation.Foto: Gerrit Cavigelli
"How Far Can We Talk?": Spielarten von Kommunikation und Nicht-Kommunikation.Foto: Gerrit Cavigelli

Am Anfang steht das Schweigen. Minutenlang. Ein Protagonist steht im Scheinwerferlicht und starrt ins Publikum. Kein Wort kommt ihm über die Lippen. Erst am Ende des Einstiegs zu der Performance reißen ihn konvulsivische Zuckungen aus der Starre, als ob ihn ein unsichtbarer Marionettenspieler wieder zum Leben erweckt hätte. Aber seine Sprache findet er dadurch auch nicht.

Damit stellen die Choreographin Martina Ruhsam und der Regisseur Vlado Repnik an den Anfang ihrer Filmperformance "How Far Can We Talk?" eine mögliche Antwort auf die Frage, was passiert, wenn wir mit unseren Worten am Ende sind. Ganz klar: Das Schweigen breitet sich aus. Doch so einfach wollen es die Künstler dem Publikum nicht machen. Daher spielen sie verschiedene Arten der Kommunikation und Nicht-Kommunikation durch. Im ersten Teil kommunizieren einzelne Darsteller über Videos mit dem Publikum. Das Setting ist immer dasselbe: eine umzäunte Baustelle mit wechselnden Gegenständen dahinter - ein voller Container, gelagerte Betonblöcke, eine Plakatwand. Einer erklärt den Container, scheitert aber sprachlich daran, da der Wind die Tonaufnahme verunmöglicht. Eine Darstellerin schlüpft verbal fast in Magrittescher Manier in andere Begriffe.

Grenzen der Sprache

Am besten in Erinnerung bleibt jener Interviewpartner, der sich selbst als Ganzkörper-Sexualobjekt definiert. Und nicht nur sich, sondern auch die Dinge um ihn herum. Wie eben die Betonblöcke, zu denen er mit verschiedenen Verrenkungen in sexuellen Kontakt zu treten versucht. Sehr lakonisch und amüsant. Wenn gegen Ende der Performance das Publikum mittels verteilter Stifte und Papier zur Mit-Kommunikation angeregt werden soll, offenbaren sich die Grenzen der Sprache in einem öffentlichen Raum. Nur wenige können oder wollen aktiv kommunizieren. Am Ende regiert das Schweigen.

Performance
How Far Can We Talk?

von Martina Ruhsam und Vlado Gotvan Repnik

Festwochen, Tanzquartier

Wiederholung: 4. Juni

www.festwochen.at