800.000 Schilling Schulden

Der neue Chef ist Otto Grünhaus Oegyn, mit Ernst Waldbrunn als Conférencier. Ende 1945 stößt Heinz Conrads dazu, ein Jahr später feiern Pirron & Knapp ihr Debüt, es folgen Maxi Böhm und Gerhard Bronner. Nach und nach kehren auch die Emigrierten, KZ-Überlebenden und Kriegsgefangenen zurück - an eine heruntergewirtschaftete Bühne: Beim Abgang im August 1948 hinterlässt Oegyn 800.000 Schilling Schulden. Der zurückgekehrte Goldfarb klagt Oegyn, der "Simpl" wird aus der Konkursmasse ausgeschieden. Die Suche nach Geldgebern ist schwierig, nach langem Hin und Her übergibt Goldfarb an Karl Schmidt, Inhaber des Royal Verlages. Der neue Chef hat wenig Ahnung, wenig Erfolg und einen hohen Direktorenverschleiß. Erst Farkas’ langersehnte Rückkehr auf die Bühne 1950 wendet das Blatt. Schlagartig ist das Haus wieder voll. Farkas führt die typische Nummernrevue wieder ein und lässt mit Waldbrunn die Doppelconférencen wieder aufleben.

Der glücklose Schmidt übergibt schließlich an Baruch Picker. Der hat sich als 60-Jähriger nach der Rückkehr aus der Emigration aus dem Nichts eine Existenz als Spengler aufgebaut. Legendär ist seine Sparsamkeit, die ihm viele als Geiz auslegen. So ist er auch dagegen, als Farkas 1955 mit "Simpl"-Nummern zum ORF geht - aus Angst um die Umsätze der Bühne. Und Farkas, dessen "Bilanz"-Sendungen Riesenerfolge werden, verscherzt es sich auch mit seinem Sketchschreiber Hugo Wiener, dessen Texte er für das Fernsehen "geklaut" hat.

Ein schwieriger Einstand


Doch ein "Simpl" ohne Farkas? Unvorstellbar. Umso größer ist die Lücke, die sein Krebstod im Mai 1971 reißt. Als dann 1972 Maxi Böhm und Cissy Kraner krank werden und Fred Weis stirbt, wird es Picker zu riskant. Er verkauft 1974 nach zähen Verhandlungen an Martin Flossmann - ohne das Ensemble zu fragen. Während die Schauspieler mit Picker um Abfertigungen streiten, ist die Resonanz auf Flossmann negativ. Doch man rauft sich zusammen. Zunächst wird der dringend sanierungsbedürftige Keller renoviert, was nicht ohne Chaos abläuft. Aus den Tischen in der Mitte werden Sitzreihen, der Konsumationszwang ist nun obsolet. Unter Flossmann wird das Programm politischer, und nach Aufregern wie der erfolgreichen Travestieshow "Les Garçons Terribles" ist der "Simpl" wieder auf Erfolgskurs. Maxi Böhm feiert ein Comeback, und spätere Stars wie Erwin Steinhauer kommen neu dazu. Ab den 1980ern treten auch Solokabarettisten am "Simpl" auf.

1981 macht Flossmanns zweite Frau Elfi (Ossy Kolmanns Tochter) den jungen Kulissenschieber Albert Schmidleitner zum Geschäftsführer. 1993 folgt die erste geordnete Übergabe im "Simpl": Flossmann zieht sich zurück, Schmidleitner wird Besitzer, der erst 25-jährige Michael Niavarani künstlerischer Leiter. Seit 19 Jahren ist dieses Dreamteam nun am Werk. "Wir sind wie ein altes Ehepaar", meint Schmidleitner, der 2008 als zusätzliche Spielstätten das "Palais Nowak" errichtet und das pleitegegangene "Vindobona" zugekauft hat. Sein Erfolgsrezept: "Bei der Schreibarbeit gehen Nia und ich sehr unromantisch miteinander um, wenn eine Nummer ein Schas ist, sagen wir das einander und streichen sie einfach." Und seit Egon Dorn gilt: "Wer im ‚Simpl‘ spielt, muss auf den Lacher gehen. Das Lachen ist bei uns das Wichtigste."