Die Wiener Kammeroper soll Kaderschmiede für das Theater an der Wien sein: Anna Maria Sarra in Rossinis "La Cambiale di Matrimonio". - © Rolf Bock
Die Wiener Kammeroper soll Kaderschmiede für das Theater an der Wien sein: Anna Maria Sarra in Rossinis "La Cambiale di Matrimonio". - © Rolf Bock

Konstantin Chudovsky hat es geschafft. Eigentlich hat es ihn geschafft. Ihm steht die Erschöpfung ins Gesicht geschrieben und auf den Frack gegossen. Hat er in den Stunden zuvor das tropische Klima des Schönbrunner Regenwaldhauses erkundet?

Nein. Er hat schlicht dirigiert, und das in einem der engsten Orchestergräben Wiens, in der Kammeroper. Sein hitziges Engagement dankte das Publikum mit Jubel. Wobei das weinende Auge des Betrachters den Raum mit sentimentaler Erinnerung an die zu Ende gehende Gründerära Gabor, die seit 1961 dem Haus am Fleischmarkt unvergessliche Momente intimen Musiktheatertreibens beschert hat, erfüllte. Das lachende Auge nahm wenig von der alten Zeit wahr. Das Theater an der Wien sprang in die finanzielle Bresche und bespielt, ausgestattet mit städtischer Unterstützung, von nun an die Wiener Kammeroper als Kaderschmiede.

Abermals galt es, die Vorzüge der kleinen Bühne hervorzuheben: Frische Stimmen zauberten das wenig bekannte Erstlingswerk eines gar nicht unbekannten Komponisten auf die Bühne.

Mill, der Kaufmann (Hans Gabor Belvedere-Preisträger Igor Bakan überzeugte mit voluminösem Bassbariton, humorvollem Spiel und quirligen Parlandi) veräußert Tochter Fanny (Anna Maria Sarra als herrlich outrierender Hollywoodstar à la Olive Thomas) zu lukrativen Konditionen Slook, dem amerikanischen Geschäftspartner (ganz großes Klischeekino: Ben Connor). Um dem Buffoelement Genüge zu tun, arbeitete der blutjunge Tonschöpfer die Romanze der verkauften Braut mit Buchhalter Edoardo ein. Alles geht gut aus, was angesichts des strahlenden Timbres von US-Tenor Andrew Owens klar war. Erheiternde Nebenrollen boten auch Oleg Loza und Gaia Petrone.

Wer der Komponist war? 1810 präsentierte ein gewisser Gioacchino Rossini den Venezianern die einaktige Farsa vom Heiratswechsel, "La Cambiale di Matrimonio". Und erlebte den ersten großen Erfolg.

Belcantoklänge, Anfänge des einmaligen Arienstils, raffinierte Instrumentierung: Der Mann aus Pesaro konnte bei dieser Generalprobe seines Könnens nur zum Opernliebling avancieren. Eingebettet wurde die Szenerie in die geschmackvollen Bilder von Regisseur Jacopo Spirei und Ausstatter Nikolaus Webern. Ihr nordamerikanisch geprägtes Handelskontor der 1910er Jahre lebte von geringelten Damenstrümpfen und ondulierten Frisuren. Humoristische Stummfilm-Stereotypen boten eineinviertel Stunden pausenlose, gute Unterhaltung.