Gerald Votava hat im Rabenhof noch eine Frage als Inspector Columbo. - © THEMATIK consulting & services GmbH
Gerald Votava hat im Rabenhof noch eine Frage als Inspector Columbo. - © THEMATIK consulting & services GmbH

Willkommen im Wiener Heim bei André Heller! Selbstverliebtheit bezeugen an den Wänden qualitätsvolle Porträts des Glanzheftpoeten und Eventcompositeurs. Sein Lebensstil ist leicht zu persiflieren. Ein stummer Diener in Clownkostüm setzt sich ruckartig wie ein Automat in Szene. Die Metapher vom "Eisberg aus Kindertränen" ist ihm zuzutrauen. Beim Pseudo-Heller (Manuel Rubey) wird orgiastisch gesuhlt, geschwult, gekokst. Wer mordet den Zirkusdirektor, der dem "schlechtesten Hypnotiseur der Welt" auf die Schliche kam? Und wer Vera Stockholm (Eva Maria Marhold), die Tante vom Fernsehen? Nichts verraten, alles erraten!

Die lokale Satire bliebe ohne Leihgaben aus der globalen Medienindustrie auf Maturantenniveau. Darum heißt die 110-Minutenshow "Columbo Dreams". Der zigarrenrauchende Pykniker im grindigen Peugeot 403 (Gerald Votava) ermittelt. Sein Konkurrent (Christian Dolezal) ist ein Kunstcop im Technodesign des Videospiels "Grand Theft Auto". Erst der Generationen- und Methodenkonflikt zwischen bedächtig und schießwütig superflink bremst die dünne Haupthandlung zum abendfüllenden Format aus. In der schönsten Szene (Regie: Thomas Gratzer, Bühne: Christine Dosch) löst sich die Blockade: An vorübergleitenden Papp-Bäumen vorbei, unter rasenden Scheinwerfern, wird eine gemeinsame Autojagd simuliert.

Charme des Amateurhaften


Klaus Waldeck lehnt sich als Komponist der Konservenmusik an die Screwball-Comedy der zwanziger, dreißiger Jahre - und sogar die ungarische Operette an. Einen Ohrwurm hat er nicht gezeugt. Mit dem Musical "Fantomas" füllte er 2008 den Rabenhof. Schon zwanzig Jahre alt ist sein familiäres Produktionskollektiv "Casa del Kung Fu". Jedes Wiedersehen macht Freude. Auch den Akteuren selbst, darum bleibt der Charme des Amateurhaften. Vier Mädchen in Plisseeröcken mit Polizistenkappen und zwei Tänzer von Life-Ball-Wendigkeit begleiten den mutterfixierten Neurotiker Columbo. Adem Karaduman rollt als komische Polizistenkugel herum. Dass Eva Maria Marold als Glucke, die dem Herrn Sohn Liptauerbrote hinterherträgt, keine gute Figur macht, gleicht sie aus als Vera, wenn sie singt. Das zentrale Paar, Jäger Votava und Opfer Rubey, hat seine Vorbilder exakt studiert. Allein diese soliden Imitate sind komisch genug.

"Da hätte ich noch eine Frage", insistieren die typisch wienerischen Bosnigl, wenn sie sich wie Columbo am Ausgang noch einmal umdrehen: "Nutzt’s der Vera Russwurm und dem Franzi Heller, oder schad’s eana?"