Am 29. September 1872 lässt sich der Sonderling Phileas Fogg im Londoner Reformklub spontan auf eine Wette ein: Er wird, wenn er 80 Tage später, auf die Sekunde genau, wieder hier erscheinen wird, bewiesen haben, dass dieser Zeitraum dank des technischen Fortschritts für eine Erdumrundung genügt. Was ihm auf dieser Expedition zustößt und wie er die schon verloren geglaubte Wette dennoch gewinnt, schilderte Jules Verne in seinem Fortsetzungsroman "Die Reise um die Welt in 80 Tagen" (1872).

Fantastische Reisen: Sven Dolinski (li.) und Peter Knaack (re.) heben im Familienstück des Burgtheaters ab. - © Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater
Fantastische Reisen: Sven Dolinski (li.) und Peter Knaack (re.) heben im Familienstück des Burgtheaters ab. - © Reinhard Maximilian Werner/Burgtheater

Nun lässt sich das bewährte Team der "Jungen Burg" mit einer neuen Bühnenadaption auf einen opulent, farbig und fantasievoll ausgestatteten Rückblick (Bühne: Bernhard Kleber, Kostüme: Ele Bleffert) auf diese für Kinder von heute beinahe prähistorische Epoche ohne Handys, Internet und Düsenjets ein.

Rasende Weltumrundung

Peter Raffalt fächert in seiner Bearbeitung die Geschichte in Form eines analytischen Dramas geschickt vom Ende her auf: Als die digitale Zeitanzeige am Bühnenportal am 21. 12. 1872 auf 17 Uhr springt, betritt Peter Knaack - ein spleeniger Bilderbuch-Gentleman - die Bühne. Der Held, der sich mit einer prall gefüllten Reisekassa, einem ausgeklügelten Zeitplan und seinem französischen Diener Passepartout - nicht nur vom Akzent her meisterhaft: Sven Dolinski - aufbricht, wird alle Abenteuer überstehen. Aber man kann mit ihm beim Aufrollen der von Annette Raffalt inszenierten Vorgeschichte mitfiebern.

Kreuzt sich doch der Tag von Mr. Foggs Abreise mit einem Bankeinbruch, sodass Mr. Fogg wegen seines überstürzten Aufbruchs als Täter verdächtigt wird. Daher heftet sich der Privatdetektiv Fix - André Meyer, Cliché-Outfit mit Schirmkappe und kariertem Anzug - an seine Fersen.

Fogg besteigt den Heißluftballon nach Suez, gelangt nicht ohne Schmiergelder nach Indien, wo er eine wunderschöne Prinzessin kennenlernt. Über China und Japan geht es nach Nordamerika, Sioux-Indianer überfallen in Karl-May-Manier den Zug. Zuguterletzt wird Mr. Fogg zwar als mutmaßlicher Bankräuber festgenommen, ehe sich alles zum guten Ende wendet und Fogg seine indische Prinzessin als künftige Ehefrau in die Arme schließen darf. Der Zeitplan der Reise geht bekanntlich auf, überdies wird ein Mitglied des Reformclubs (Marcus Kiepe) als der gesuchte Gentleman-Bankräuber entlarvt.

Das ausgezeichnet gestaltete Programmheft informiert darüber, was sich aus den spielerisch perfekt gestalteten, von Parviz Mir Ali musicalartig illustrierten, mit akrobatischem Können choreographierten Bildern aufs Heute bezogen in visuell witziger Umsetzung lernen lässt.

Auch wenn nicht alle Zuschauer auf den ersten Blick mit dem Ballett rotköpfiger Kühe im Indien-Bild etwas anfangen konnten.