Können diese Augen lügen? Das nicht, aber was Nadja Malehs Mund verführerisch haucht, ist nicht immer angenehm. - © Henrik Spranz
Können diese Augen lügen? Das nicht, aber was Nadja Malehs Mund verführerisch haucht, ist nicht immer angenehm. - © Henrik Spranz

Kommen Sie, treten Sie ein, machen Sie Ihr Spiel im Casino, das sich Leben nennt! Lasziv verführt die Kabarettistin Nadja Maleh in ihrem neuen Programm "Jackpot" ihr Publikum. Und sie hat auch gleich zehn goldene Spielregeln parat, die garantiert zum Glück führen - oder vielleicht auch nicht, denn natürlich offenbart sich bei genauerem Hinhören, dass sie nur so vor Zynismus triefen, so lebensnah und einleuchtend sie letztlich auch sind. Wobei Maleh nicht nur all die Heilsversprechungen persifliert, die sich nicht nur im Casino, sondern auch im Internet in der Rubrik "Reichwerden ohne Risiko und Aufwand" tummeln, sondern bald auch auf die gesellschaftliche Ebene geht.

Die Tirolerin mit syrischen Wurzeln macht sich lustig über Gutmenschen - und über jene, die über Gutmenschen herziehen. Bei diesem Schaustück bedient sie sich wieder einmal des Stilmittels der Parodie und holt alte wie neue Alter Egos auf die Bühne: den berühmten Max Mustermann, der überall eine Kundenkarte hat, die resolute Ost-Masseurin Olga, die ulkige Inderin Mandala, die voller Lebensweisheiten steckt, die debile Kindergartentante Meli oder die schrullige Frau Professor Huber, die sich wohl nicht zufällig auf Werner Gruber reimt.

Perfekt vorbereitet


Und auch wenn manche Kalauer, die ihre Kunstfiguren zum Besten geben, nicht die jüngsten sind, so zeigt sich doch: Maleh hat an ihren Texten sehr lange gefeilt, da sitzt jedes Wort. Und auch jeder Gesichtsausdruck. So ein süffisantes Lächeln muss man einmal aufsetzen, wenn man Gehässigkeiten von der Bühne abschießt wie Giftpfeile. Das Publikum lauscht gebannt und fragt sich: Nimmt sie uns jetzt gerade auf die Schaufel? Hm, vielleicht ja.

Aber das verzeiht man ihr gerne, weil sie dabei nie unter die Gürtellinie geht. Und außerdem spricht sie bittere Wahrheiten aus, die manche zwar vielleicht nicht gerne hören, die den Menschen aber zumutbar sind, wie es schon Ingeborg Bachmann formuliert hat. Auch wenn sich Maleh vor allem an Arthur Schopenhauer hält: Das Schicksal mischt die Karten, und wir spielen. Womit wir wieder im Casino und den zehn goldenen Spielregeln wären.

Zwischen denen singt Maleh auch, und zwar mit viel Verve in der Stimme. Ein betörender Gegenpol zum lasziven Hauchen ihrer Sprechstimme.

Kabarett

Nadja Maleh: Jackpot

Wh.: 1., 2., 7., 8., 9., 14. und 15. Februar Kabarett Niedermair; 16. Februar Stadtsaal