Was hat sich dieser Filmheld nicht abgestrudelt. Ein aberwitziger Plan trieb Maximilian Cohen an, dieses Ein-Mann-Rechenzentrum aus Darren Aronofskys Thriller "Pi" (1998): Findet er ein Gesetz hinter dem Chaos der Aktienmärkte? Die Suche nach der Vorhersagbarkeits-Formel, sie blieb dann aber doch vergebliche Rechenmüh’.

Wer die Anspruchslatte ein paar Stockwerke tiefer legt, kann im Alltag aber durchaus prognostische Geistesblitze haben. Wenn es zum Beispiel darum geht, den Ausgang einer schlichten Hollywood-Komödie zu erraten, sagen wir etwa - von "Natürlich blond" (2001). Was in den ersten zehn Minuten passiert: Junges Beauty-Blondchen mit Pink-Vorliebe (aber Achtung, auch Grips beim Shoppen!) wird von ihrem Liebsten abserviert, weil der Herr Jus-Student etwas "Ernsteres" sucht. Was in der nächsten Stunde passiert, ist relativ bombensicher: Elle, so heißt sie, wird’s dem Mann schon zeigen, auch nach Harvard gehen, Jus studieren, dabei die wahre Liebe kennenlernen, diese jedoch erst verkennen, letztlich aber auf voller Linie siegen und den Ex, diese Pfeife, die ausgerechnet jetzt - ha! - devot andackelt, in den Wind schießen. Der Film spielte 141 Millionen Dollar ein.

Start mit Broadway-Import

Der Erfolg dürfte nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass die Vereinigten Bühnen Wien (VBW) "Natürlich blond" nun auf die Musicalbühne hievten. Der Hauptgrund aber: Das gleichnamige Musical hat bereits in den USA reüssiert, und diese "Original-Broadway-Version" läuft nun in Wien. Ohne Jubelworte heißt das freilich: Christian Struppeck, neuer Musical-Intendant der hochsubventionierten VBW, startet seine Ära mit Instant-Ware aus Übersee. Nun prunkt auf der Musicalbühne zwar freilich nicht Reese Witherspoon, die mit zuckriger Schale und warmem Herzen charmierte. Doch die attraktive Botschaft an die Damenwelt bleibt auch dort die gleiche - Narzissmus, verkleidet als feminine Empörung. Oder kurz gesagt: "Muss ich denn blöd sein - nur weil ich bildschön bin?"

Dass dies mit echtem Feminismus herzlich wenig zu tun hat, macht spätestens eine Nebenrolle klar: Eine Mitstudentin ist dann nicht nur Frauenrechtlerin, sondern gleich auch Lesbe, und, logo, eher herb. Halbironischer Flitter hin oder her: In "Natürlich blond" verkörpert Elle, die Gefallsüchtige, nicht nur körperlich, sondern auch in ihrer Biederkeit ein US-Idealmaß. Und wenn der Intellekt dieses Fitnessjunkies erst einmal ebenso gestählt ist, ja, dann kann selbst die Freiheitsstatue neben einer solchen Ikone einpacken.